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Art. Nr.: 284
Oskar Kokoschka
(Pöchlarn 1886 - 1980 Villeneuve/CH) Stehender Akt Farbstift auf Papier 64,8 x 49 cm Signiert und datiert links unten: OKokoschka 53 Provenienz: Dr. Olda Kokoschka, Villeneuve/Schweiz, Witwe des Künstlers Das Blatt wurde Dr. Alfred Weidinger zur Begutachtung vorgelegt.
Am 20. Juli 1953 begann der erste Kurs der von Oskar Kokoschka mitbegründeten und von ihm programmatisch "Schule des Sehens" genannten Sommerakademie auf der Festung Hohensalzburg. Kokoschkas Unterricht folgte in diesem Jahr und in den folgenden Jahren seiner Salzburger Sommerakademie bis 1963 dem pädagogischen Grundprinzip, die Kursteilnehmer zu zwingen, ihre Wahrnehmung schnell und unvermittelt bildlich umzusetzen. "Ölfarben erlaubte ich nicht; sie werden bloß in wochenlangen Anstrengungen verschmiert, während die erste Vision verloren geht. Ich regte sofort an, nach sich bewegenden Modellen mit Aquarellfarben zu beginnen, die ja keine Korrekturen erlauben und ein Übermalen nicht vertragen." Dieser den Schülern aufgegebenen Maxime, die Augen "wie eine Stimmgabel erklingen zu lassen", folgte der Künstler selbst in einer Serie von etwa zwanzig großformatigen Aktzeichnungen, die nach Ende des Seminars mit den für den Kurs verpflichteten Berufsmodellen entstanden. Frontal oder im Dreiviertelprofil betrachtet, werden die Körper stehend, sitzend oder liegend in ihrer Bewegung im Raum erfasst: einmal mit die Silhouette kräftig konturierendem Strich und heftigen, die Körperlichkeit modellierenden Binnenschraffuren, dann wieder - wie auf dem vorliegenden Blatt - unter äußerster Zurücknahme der Linienführung im Vertrauen auf die Erscheinung der Form aus der durchaus gewagt eingesetzten chromatischen Variation der Farbwerte. (Ernest Rathenau: Oskar Kokoschka. Handzeichnungen 1906 - 1965, Berlin, 1966, Nr. 111/112. Alfred Weidinger (Hg.): Oskar Kokoschka - Ein großer Europäer. Die Thermopylen. Ausstellungskatalog, Albertina.
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