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Art. Nr.: 607
Siegfried Anzinger
(Weyer 1953 geb.) Madonna mit Kind, türkis Leimfarbe auf Leinwand 90,5 x 50,5 cm Rückseitig betitelt, signiert und datiert: Madonna, türkis / Anzinger 02
Siegfried Anzinger zählt zur Wiener Gruppe der Neuen Wilden, einer Gruppe, die, wie es einmal formuliert wurde, "Hunger nach Bildern" habe. Neu an dieser Malerei war, dass sie keinen inhaltlichen oder ästhetischen Kanon akzeptierte. Neu war, dass das Publikum, offenbar vom gleichen "Hunger nach Bildern" ergriffen, praktisch auf Anhieb verstand, worum es ging. Der Kunsthandel reagierte blitzartig mit der Vermarktung. Noch nie zuvor war zeitgenössische Kunst im 20. Jahrhundert so schnell und so begeistert angenommen worden. Die Kunst der "jungen Wilden" musste keine Tabus brechen, sie griff Geschichte (und Geschichten) auf und formte sie um. Es handelte sich dabei auch nicht um ein österreichisches Phänomen - praktisch zur gleichen Zeit entstand überall in der westlichen Welt "junge, wilde" Malerei, und überall reagierte das Publikum begeistert.
Diese Entwicklung stellte freilich auch eine große Gefahr für die Künstler dar: Eine ganze Generation wurde über Nacht berühmt, produzierte oft, was das Zeug hielt, ohne die Zeit zu haben, sich zu entwickeln, eine eigene, kritische Distanz zu finden. Wenig überraschend ist ein nicht kleiner Teil der noch vor zwanzig Jahren in den Himmel gehobenen Künstler mittlerweile wieder in der Versenkung verschwunden - auf Siegfried Anzinger trifft das freilich nicht zu. Seinen frühen Ruhm hat er bewältigt, seinen Weg als Maler hat er konsequent fortgesetzt. Seine Arbeiten zeichnen sich unverändert durch eine wunderbare Frische aus. Er hat es sich auch nicht leicht gemacht - trotz des schnellen Malvorgangs, der ein Teil der psychomotorischen Steuerung des Malprozesses ist, verlässt nur ein Teil der Bilder das Atelier.
Schätzpreis: von € 10.000,00 bis € 16.000,00
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