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Art. Nr.: 136
Henri Fantin-Latour
(Grenoble 1836–1904 Buré) Kompositionsstudie für “Baudelaire, Un anniversaire”, schwarze Kreide, auf Papier, mit dem Signaturstempel “Fantin” (Lugt 919e) in schwarzer Tinte am linken unteren Rand, 9,9 x 12,2 cm, Passep., gerahmt, (Sch)
Provenienz:
Nach dem Tod des Künstlers in seinem Atelier; Seiferheld and Company, New York, 1968; John Minor Wisdom, New York und New Orleans; Shepheard Gallery, New York, 1981.
Ausstellungen:
New York, Seiferheld and Company, Master Drawings, Paintings, Gouaches, Watercolours, Herbst 1968, Nr.11 (als Studie für das Gemälde”Autour de Piano”); New York, Shepherd Gallery, French and Other European Drawings Drawings, Paintings and Sculpture of the Nineteenth Century, 1981–1982.
Gegen Ende des Jahres 1871 beschließt Henri Fantin-Latour, ein Gruppenporträt mit der Versammlung einiger Schriftsteller zu malen, eine Hommage an den Dichter Charles Baudelaire, der 1867 verstorben war. Das Bild war vermutlich als literarisches Pendant zu einer früheren Gruppe an Porträts, die er im Andenken an Eugène Delacroix und Manet schuf, gedacht. Baudelaire wäre 1971 fünfzig Jahre alt geworden; Fantin versah sein Bild mit den beiden Titeln “Baudelaire, Un anniversaire” oder “Une Commémoration”. In einem Brief an seinen Händler Edwin Edwards im Dezember 1871 schildert der Künstler die geplante Komposition: “Ich werde es “Eine Erinnerung” nennen, denn Baudelaires Porträt wird im Hintergrund des Bildes hängen. Einer der Männer wird eines von Baudelaires Gedichten lesen; die anderen werde ich um den Tisch oder im Raum gruppieren.” In einem weiteren, undatierten Brief an den deutschen Schriftsteller Otto Scholderer beschreibt Fantin den Entwurf: “la disposition générale s’inspirera de “L’Hommage á Delacroix”, un portrait du poète sera accroché au mur de fond, entouré de part et d’autre de jeunes émules. L’un d’eux, un livre á la main, lit une des ses poésies.” Der vorliegende Entwurf scheint eine Kompositionsstudie für das von Fantin geplante Gemälde zu sein, das jedoch niemals zur Ausführung kam. Stattdessen hat Fantin diese Zeichnung - auf deren rechten Bildhälfte prominent eine Tischecke erscheint - als Basis für eine weitere Komposition herangezogen. Das ausgeführte Bild, betitelt “Au coin de table” wurde 1872 im Salon ausgestellt und befindet sich heute im Musée d’Orsay in Paris. Das Gemälde folgt der gleichen Grundkomposition wie die ursprünglich geplante Version für “Baudelaire, Un anniversaire”, jedoch ohne das Porträt des Dichters im Hintergrund. Die vorliegende Zeichnung ist somit ein hervorragendes Beispiel für Fantin’s Arbeitsweise als Zeichner und seine Vorbereitung großer Gruppenporträts in kleinformatigen Skizzen. Besondere Bedeutung hat für ihn dabei das Experimentieren mit dem Arrangement der Figuren. Im Louvre befindet sich eine Gruppe von acht weiteren Kompositionsskizzen für “Baudelaire, Un anniversaire”, die ähnlich in schwarzer Kreider oder brauner Feder ausgeführt sind und die einzelnen Arbeitsschritte des Künstlers im Prozess der Bildfindung belegen.
Schätzpreis: von € 8.000,00 bis € 10.000,00
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