|
Art. Nr.: 135
Pierre Antoine Baudouin
(Paris 1723–1769) La fille surprise, Pinsel in Braun, über schwarzer Kreide, auf Papier, kaschiert, 27 x 21 cm, Passep., o. R., (Sch)
Provenienz:
Comte Jacques de Bryas; dessen Verkauf, Paris, Galerie Georges Petit, 4.-6. April 1898, lot 3 (als Pierre-Antoine Baudouin: “La fille surprise. La jeune fille est reversée sur son lit. Ses parents ont fait irruption dans la chambre. Le père en courroux la menace, tandis que, vers le fond, le séducteur prend la fuite. Dessin au bistre.”); Louis Deglatigny, Rouen (Lugt 1768a); dessen posthumer Verkauf, Paris, Galerie Jean Charpentier, 28. Mai 1937, lot 40 (als Französische Schule, 18. Jahrhundert: “La Fille Surprise. Un paysan et sa femme ont fait irruption dans la chambre de leur fille, interrompant un rendez-vous galant. La jeune fille, le corsage ouvert, est agenouillée davent son père, adossée au lit désordre. Le galante, un jeune élégant, s’échappe par une fenêtre, auf fond. Lavis de sépia sur esquisse á la pierre noire. Monture ancienne.”).
Pierre-Antoine Baudouin, Sohn eines Kupferstechers und Radierers, war Schüler und späterer Schwiegervater von Francois Boucher. Er trat 1763 in die Académie Royale ein und stellte jährlich zwischen 1761 bis zu seinem frühen Tod 1769 in den Pariser Salons aus. Wie Boucher stand auch Baudouin im Dienst von Madame de Pompadour, für die er eine Reihe religiöser Werke für Versaille schuf. Eine besondere Vorliebe hatte er jedoch für kleinformatige, häusliche Genreszenen, mit denen der Künstler auch seinen Ruhm etablierte. Sein Ouevre umfasst hauptsächlich detailreich ausgeführte Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen mit ausschweifenden und schlüpfrigen Sujets, von denen einige als Drucke weite Verbreitung fanden und beträchtlich zur öffentlichen Anerkennung des Künstlers beitrugen. Zur Zeit des Pariser Salons von 1765 beschreibt Denis Diderot den Künstler als ”Bon garcon, qui a de la figure, de la douceur, de l’esprit, un peu libertin.” Eine Gouache mit ähnlichem Sujet, wenn auch im Inneren einer Scheune und ohne die Präsenz des Vaters des jungen Mädchens, stellt Baudouin im Salon von 1765 unter dem Titel ”Une jeune fille querellée par sa mère” aus, die er zwei Jahre später auch als Kupferstich bei P. P. Choffart veröffentlichte. Im lebendigen Umgang mit der schwarzen Kreide und der braunen Lavierung kann das vorliegende Blatt mit Baudouins Zeichnung “Le fruit de l’amour” verglichen werden, die sich einst in den Sammlungen de la Béraudière, Mühlbacher, Groult und Meyer befand und eine Vorstudie für die im Salon von 1767 ausgestellte Gouache darstellt. Der erste dokumentierte Besitzer des vorliegenden Blattes war Graf Jacques de Byras, der eine feine Sammlung an französischen Zeichnungen des 18. Jahrhunderts besaß. Die Zeichnung wurde später, vermutlich beim Verkauf der Sammlung Byras im Jahre 1898, von Louis Deglatigny (1854–1936) gekauft. Seine Sammlung wurde jedoch kurz nach seinem Tod aufgelöst und in mehreren Verkäufen in Paris aufgeteilt.
Schätzpreis: von € 4.000,00 bis € 5.000,00
|