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Art. Nr.: 22
ALFRED KUBIN Leitmeritz/Böhmen 1877 – 1959 Zwickledt bei Wernstein am Inn
INDISCHE REISE (DER ELEFANT), um 1905/06 Kleisterfarben auf Zeichenkarton, 25 x 35,5 cm
Signiert rechts unten mit schwarzer Tusche: Kubin
Nur wenige Exemplare der in Kleister- bzw. Leimfarben gestalteten malerischen Kompositionen Alfred Kubins aus den Jahren 1904 bis etwa 1906 haben sich erhalten. Für Kubin bedeutete diese Phase der malerischen Erprobung ein technisches Experiment, das nach dem großen Erfolg der frühen Tuscheblätter bei seinen Sammlern und Käufern zunächst auf wenig Interesse gestoßen ist, sich aber in der Gesamtbetrachtung des Œuvres von Kubin als wichtiger Entwicklungsschritt herausstellt. Wie in seinem im Jahr 1909 erschienenen Roman „Die andere Seite“ ist das Thema der vorliegenden Komposition eine imaginäre Reise in eine phantastische Landschaft, geprägt von der Sehnsucht nach Exotik, aber auch durchdrungen vom Gefühl des lauernd Geheimnisvollen. Ein dunkler indischer Elefant schreitet durch eine dunkeldämmrige Landschaft. Zentral, nur wenig aus der Bildmitte heraus gerückt, scheint sein rechtes Auge starr den Betrachter zu fixieren, wo hingegen der das Tier leitende und in seinem Nacken sitzende Mann ganz in sich selbst versunken scheint. Der prachtvoll glänzende Umhang des Elefanten steht im krassen Gegensatz zu seiner düsteren Erscheinung: eine Situation, die sofort an sagenhafte Erzählungen erinnert und im Betrachter Erinnerungen an Kindermärchen weckt. Wie kaum einem anderen Künstler gelingt es Kubin, das Erzählerische in seinen Bildkompositionen anzusprechen. Selbst hoch belesen und mit einer umfassenden Bibliothek ausgestattet, gestaltet Kubin auch später in seinen klassischen „Illustrationen“ Bildkompositionen, die eine eigene Kraft der Erzählung in sich tragen. Seine Abenteuer im Kopf, denn Kubin unternahm nie selbst weitreichende Reisen, gibt er an den Betrachter weiter.
Peter Assmann
Literatur: Annegret Hoberg (Hg.): Alfred Kubin. 1877 - 1959. Ausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. München 1990, S. 266 - 269, vgl. Farbabb. 97 - 100
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