ERIKA GIOVANNA KLIEN Borgo Valsugana/Trentino 1900 – 1957 New York
Öl über schw. Kreidevorzeichnung auf Leinwand, auf Holztafel aufgezogen 59,9 x 40,4 cm
Signiert und datiert links unten mit Öl: 1924 KLIEN
Unter Kliens bislang bekannt gewordenen Ölgemälden mit Häusern aus ihren letzten Jahren in Österreich ist das Format der vorliegenden Komposition eines der größten. Es liegt ihr ein im Wiener Kinetismus ab ca. 1922 häufig auftretendes Schema aus einander durchdringenden, aufsteigenden und absteigenden Sequenzen keilförmiger Strukturen zugrunde – ein Muster, das bald nach dem Ende des 1. Weltkriegs in Werken Johannes Ittens oder Paul Klees auftauchte und auch in deren Vorkursen am Weimarer Bauhaus zur Praxis gehörte. Bei Klien hängt die Wirkung der Parallelität zwischen den geometrischen Facetten, aus denen die Häuser gebildet werden, und der Bildfläche selbst dort, wo sie von Dachschrägen definiert sind, mit einer nach Studienabschluss 1924 begonnenen kunstpädagogischen Ausbildung an der von ihrem Lehrer Franz Cizek begründeten Jugendkunstklasse zusammen, was sich auf ihre künstlerische Entwicklung entscheidend auswirken sollte.
So, wie Klien ihr ganzes Leben hindurch allgemeine Züge des kindlichen Gestaltens mit der modernistischen Formulierung von Bewegungsabläufen oder dynamischen Bildräumen zu verbinden suchte, findet die Kombination aus Kinderspiel und Konstruktivismus schon in ihrer ersten primitivistischen Phase um 1924 ihren Niederschlag. Dies trifft besonders auf die Kulissenbilder für ihr 1923-1926 entwickeltes Projekt zum „Kinetischen Marionettentheater“ zu. Zweifellos hat auch dessen Thematik, die Ablösung der alten durch die moderne Stadt (bzw. der Einbruch der neuen Zeit), die Abwandlung von Kompositionen mit Häusern sehr gefördert und in dieser Hinsicht auch Einfluss auf die Arbeit ihrer Studienkollegen gehabt.