GUSTAV HESSING Czernowitz (Bukowina) 1909 – 1981 Wien
Öl auf Leinwand, 51 x 61cm
Signiert rechts unten: Hessing G. 65
Das Stillleben spielt im Werk Hessings eine besondere Rolle. In seinem Atelier war stets ein Arrangement aufgebaut, nach dem er malte. Die Unveränderlichkeit des Motivs kam der bedächtigen Arbeitsweise des Künstlers entgegen. Oft arbeitete er über Monate hinweg an einem Bild, legte stellenweise mehrere Schichten Farbe übereinander, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Trotzdem haben seine Arbeiten eine Leichtigkeit, die eine zeitaufwendige Arbeitweise kaum vermuten lässt.
Die Natur liefert die Bausteine seiner Bilder, die er in Farbflecken verschiedener Ausdrucksintensität umwandelt und mosaikartig im Bild nebeneinander setzt. Die Farbe ist gleichzeitig Form und Stimmungsträger, mit ihrer Hilfe entsteht die innerbildliche Atmosphäre und Räumlichkeit. Wie sein grosses Vorbild Cézanne bildet Hessing mit Hilfe der Farbe Tiefe und perspektivisches Raumempfinden. Trotz fehlender Umrisse und Stofflichkeit erkennt man wohl, dass das Stillleben aus Flaschen und Früchten auf weissen Tüchern auf einem Tisch angeordnet ist. Auch den Raum mit dem Fenster im Hintergrund kann man interpretieren. Durch die eher kühlen Blautöne rückt die Wand mit dem Fenster optisch zurück. Das Blau des Hintergrundes kontrastiert Hessing gekonnt mit den leuchtenden Farben der Früchte und dem warmen Holzton des Tisches im Vordergrund.
Die Ausgewogenheit seiner Bilder trotz des für seinen Malstil typischen skizzenhaften Charakters fasziniert und liegt in der Tatsache begründet, dass es laut Hessing „in der Kunst kein Fertigsein gibt, es gibt immer nur einen Zustand, damit tröste ich mich, und ich sah, dass es auch richtig war.“