Alma mit kind, 1913/14
Kreide auf Papier, 429 x 299mm
Monogrammiert links unten: OK
Provenienz.: Dr. Olda Kokoschka, Villeneuve/Schweiz,
Witwe des Künstlers
Oskar Kokoschka lernte Alma Mahler am 12. April 1912 bei einem Abendessen im Hause ihres Stiefvaters Carl Moll kennen. In der Folge entfaltete sich eine intensive Liebesbeziehung mit der ein unbändiger Schaffensdrang einherging: so schuf Kokoschka bis zum Scheitern der Liaison im Jahr 1915 etwa 450 Zeichnungen und Gemälde, die in engstem Zusammenhang mit Alma Mahler und seinen Gefühlen zu ihr stehen.
In der gegenständlichen Zeichnung veranschaulichte Kokoschka seinen sehnlichsten Wunsch nach einem gemeinsamen Kind mit Alma Mahler. In der Tat war Alma zwei Mal von Oskar Kokoschka schwanger: Ein Kind hat sie noch im Mutterleib verloren, das zweite aber abtreiben lassen. Kokoschka hat die Abtreibung psychisch sehr belastet, ... und noch weit über das Ende seiner Beziehung zu Alma Mahler hinaus. In seinen literarischen Werken und seiner Kunst fand er adäquate Mittel um diesen seelischen Schmerz auszudrücken.
Immer wieder hoffte er auf eine neuerliche Schwangerschaft von Alma Mahler und sehnte diese in zahlreichen Kunstwerken herbei. Besonders intensiv war dieses Phänomen während und kurz nach der Italienreise, die Oskar Kokoschka und Alma Mahler im April 1913 unternahmen: So entstand auf Capri eine Wandzeichnung mit der liegenden Alma am Strand mit einem Kleinkind, und wenige Monate später in Wien die gegenständliche Zeichnung mit Alma Mahler und dem Knaben mit den Gesichtszügen Oskar Kokoschkas. Diese Mutter–Kind–Darstellung steht stilistisch am Beginn der bedeutenden Serie von Bildniszeichnungen und einem Gemälde, die Kokoschka »Mania« bezeichnete.