Öl auf Holz, 29,5 x 110 cm
Signiert und datiert links unten: Lehmden 1963 – 69
Ganz wenige Elemente verbinden sich in diesem Querformat zu größter Einfachheit und Geschlossenheit. Unter einem dunklen Himmel ziehen grasbewachsene Hügelketten und Berge wie Zeichen der Unendlichkeit durch das Bild. Einzelne Bäume betonen die Einsamkeit. Rötlich schimmern die übereinander liegenden Schichten der Erde in den kantigen Abbrüchen der Hügel durch die Nacht. Die ganze Landschaft liegt im Dunkel und die Nacht dehnt sich an einer Stelle rechts im Bild auch nach unten über die Landschaft aus. Klein und fern am oberen Bildrand steht der Mond und betont die nächtliche Stille.
Die spezielle Ästhetik der Malerei Lehmdens, seine Reduktion auf wenige Farben, seine zugleich zeichnerische und lasierende Methode und die spezielle Raumauffassung geben ihm eine Sonderstellung in seiner Generation. Er verwendet nicht die cremig pastose Malweise der österreichischen Maler vor ihm und er verzichtet auch auf den Farbenzauber und manche Ornamentik seiner Generationsgenossen der “Wiener Schule”. Doch die Strenge und eigentümliche Herbheit seiner Malerei entfalten, unabhängig von überlieferten Konventionen der europäischen Landschaftsdarstellung, ihre eigene Empfindungswelt von innerer Authentizität, Fremdheit und Weite.
Erdlebenbilder nannte ein Philosoph und Freund Caspar David Friedrichs dessen Arbeiten und ein anderer Betrachter verglich die Bewegung der Bergzüge seiner Bilder mit der der Wellen des Meeres. Hier in Lehmdens Bild ist es die zugleich unmerkliche und übermächtige Bewegung der Erde, die für uns unspürbare Bewegung der tektonischen Platten, die Auffaltung und Abtragung von Formen und Schichten der Erdgeschichte in unabsehbaren Zeiträumen, deren Ahnung in dieser Malerei anschaulich wird.