Bronzeguss, Nr. 1/5, 192 cm
Signiert und datiert im Sockel: J. PILLHOFER 1981
Werner Hofmann stellte bereits 1967 fest, dass Pillhofer „die tektonisierte Anatomie Wotrubas in ihre Bestandteile auseinander nimmt und auf getrennten Ebenen deren Erforschung verfolgt“. Mit diesen beiden Ebenen sind einerseits eine kubisch-abstrakte Formensprache gemeint sowie ein Realismus, der laut Hofmann „die Körpergliedmaßen nur geringfügig verfremdet“.
Tatsächlich gelingt Pillhofer in seinem Werk mit Mühelosigkeit die Überbrückung abstrakter und gegenständlicher Kunst, während sich im öffentlichen Diskurs nach 1945 Befürworter und Gegner der Abstraktion erbitterte Grabenkämpfe lieferten. Bis heute schafft Pillhofer parallel zu seinen quasi-abstrakten Skulpturen immer wieder Arbeiten, die scheinbar völlig in der Tradition der gegenständlichen Skulptur stehen. Freilich interessiert sich Pillhofer auch im realistischen Genre ausschließlich für die menschliche Figur, insbesondere die weibliche Aktfigur.
In der vorliegenden Skulptur treffen die Augen des Betrachters wie tastende Hände auf die schimmernde, taktile Oberfläche des Frauenaktes. In ihrer Anmut erscheint die Gestalt wie eine schaumgeborene Venus, die gerade dem Wasser entstiegen ist, bzw. wie Daphne, die sich, um dem Begehren Apollos zu entfliehen, in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die künstlerische Annäherung an den weiblichen Akt erfolgt in erster Linie über den Weg der Oberfläche. Dies verbindet den österreichischen Bildhauer mit den raren Skulpturen der großen französischen Impressionisten. Die kleinformatigen Figuren von Edgar Degas etwa weisen eine vergleichbare amorphe Geschmeidigkeit auf. Ganz wie in seinen abstrakten Schöpfungen erweist sich Pillhofer somit auch in seinem realistischen Werk als Seelenverwandter der großen Meister Frankreichs.