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, A-1010 Wien, Website öffnen

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Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Grafik
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945
Erotik, Akte

Art. Nr.:
MÄDCHENAKT, 1918
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EGON SCHIELE Tulln 1890 – 1918 Wien

Lithographie auf Papier
(Aufl. 100 auf Lithografie-Papier),
397 x 540 mm

Schiele hat sich erst relativ spät mit den Anforderungen der graphischen Techniken vertraut gemacht und das auch erst durch Anregung seines Freundes Arthur Roessler, der auch sein Sammler, Kritiker und Förderer war. Er hat sich mit der älteren Technik des Radierens (1914) und mit der relativ jüngeren Technik der Lithographie auseinandergesetzt; die Mappe der dieser Mädchenakt entnommen ist, enthält sowohl die sechs Radierungen von 1914 als auch diese schöne Lithographie eines ruhenden Mädchens mit verschränkten Armen und Beinen nebst einer Lithographie mit dem Porträt seines Malerfreundes Albert Paris Gütersloh.
In der großen Symphonie der Mädchen- und Frauenakte nimmt diese in sich ruhende Figur eine kammermusikalische Stellung ein. Sie hat nichts von jener provozierenden Obszönität der pubertären Proletariermädchen, die Schiele sogar einen Gefängnisaufenthalt von vierundzwanzig Tagen im Bezirksgericht Neulengbach eingebracht haben wegen „Benutzung von minderjährigen Modellen“, noch von jener unerlösten Sexualität der Einzel- und Gruppenakte, die heute fast neunzig Jahre nach Schieles Tod (1918) als Höhepunkte expressionistischer Ausdruckskunst so besonders geschätzt und gesucht werden. Als Hintergrundmusik zu diesem Blatt könnten wir uns eher Schubert-Töne als solche von Arnold Schönberg oder Kurt Weil vorstellen, seinen Zeitgenossen.
Diese Komponisten, so wie Schiele selbst, wurden dann von der Kunstpolitik des Nazi-Regimes als „Entartete“ verfehmt und verboten. Noch in den 1960er Jahren wurde z.B. eine Schiele-Ausstellung in Rom wegen angeblicher Obszönität unter Pornographie-Anklage polizeilich geschlossen.
Dieses schöne Blatt aber könnte den böswilligen Zensor gerade noch passieren, obwohl ihm die unbehaarte Scham als Bildmittelpunkt vielleicht auch schon problematisch erschiene.
Zum Glück geht es heute aber nicht um sekundär oder tertiär gewordene Kriterien.
Es geht bei diesem Blatt um einige Hauptkriterien von Schieles zeichnerischem Genie aus der visuellen in die beschreibende Erkenntnis zu übersetzten: Raum wird durch einen einzigen unabgesetzten Strich geschaffen, der von den Haaren der Liegenden bis zu Knie und Unterschenkel geht. Arme und Beine sind gleichsam wie abgehackt, um eine gewollte Unruhe in die Komposition zu bringen. Die umgebende Realität, hier ein Sofa mit Kopfstütze, wird nur durch geniale Aussparung definiert und nicht durch Spitzweg´sche Detailgenauigkeit (Spitzweg war bezeichnenderweise der Lieblingsmaler Adolf Hitlers!). Der Körper des Mädchens schwebt gleichsam auf der Bildfläche oder in der Luft und ist durch die visuelle Beschreibung der entspannten Schwere doch als ganz realer Akt dargestellt.
Wir dürfen mit dem lithographischen Akt aus der Sema –Mappe eine der schönsten und sanftesten Aktkompositionen Schieles betrachten, die sogar von einem gestrengen Auge ad usum delphini durchgelassen werden.
Preis auf Anfrage:


Band 09
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