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10 Jahre
Kunsthandel W.& K.

Ausstellungskatalog
Gustav KLIMT
Egon SCHIELE

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Künstlerbiographien
 

Anbieter: Wienerroither & Kohlbacher GmbH
Kunsthandel - Austrian Fine Art (neben dem Café Central)
, A-1010 Wien (Anfahrtsplan anzeigen)

Katalog:
Aktueller Katalog
Band 15

Art. Nr.: 34
EGON SCHIELE, Tulln 1890 – 1918 Wien
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SELBSTBILDNIS, 1912

Bleistift auf Papier, 480 x 315 mm
Signiert und datiert rechts unten: EGON | SCHIELE | 1912

Das Interesse an der menschlichen, vom Geschlechtstrieb determinierten Befindlichkeit ist einer der entschei-denden Faktoren für das Schaffen Egon Schieles. Was die Kunst der Jahrhundertwende unter dem Deckman-tel der schönen Form kompensiert hatte, tritt bei der jungen, um Ausdruck ringenden Generation offen zutage. Die ostentative, keineswegs pornographisch intendierte Darstellung sexueller Motive schockierte freilich die zeitgenössische Gesellschaft und rückte die Künstler in die Nähe asozialer Elemente. Diese wiederum be-gegneten dem Unverständnis mit der Annahme einer trotzigen Opferrolle im Dienst ihrer künstlerischen Idea-le, explizit Schiele, der ja die Radikalität seines Werks mit einer Gefängnisstrafe büßen musste.
Neben dem weiblichen Körper ist es auch der männliche Akt, den Schiele immer wieder auf seine leibliche Beschaffenheit examinierte. Und hier bot sich vorzugsweise die eigene Person als Studienobjekt an. Die Blei-stiftzeichnung von 1912 ist in ihrem zarten Strich kaum erkennbar. Lediglich die Schambehaarung erscheint als kräftiger schwarzer Fleck und zieht den Blick des Betrachters auf das Geschlechtsteil im Mittelpunkt einer axialen Komposition. Es wird flankiert von den schlaff herabhängenden, langfingrigen Händen, die als Aus-drucksträger eine eminente Rolle in Schieles Schaffen spielen. Ein leicht seitlich geneigter Kopf bekrönt die Vertikale. Der Gesichtsausdruck wirkt entspannt, erschöpft oder resigniert. Die unverhohlene Thematisierung der Selbstbefriedigung erhält durch die kreuzförmige Anordnung der exponierten Körperteile Konnotationen des künstlerischen Märtyrertums, wie sie öfters bei Schiele, aber auch bei Oskar Kokoschka anzutreffen sind.


SELF-PORTRAIT, 1912
Pencil on paper, 480 x 315 mm
Signed and dated (lower right): EGON | SCHIELE | 1912

One of the decisive factors in Egon Schiele’s œuvre was the interest in people’s emotional states determined by sexual urges. While fin-de-siècle art offset this subject by exploring it under the guise of the beautiful form, the young generation, in their quest for expression, presented it with blatant openness. The overt depiction of sexual subjects, although without the slightest pornographic intention, naturally shocked contemporary society and made people associate these artists with antisocial elements. In turn, artists responded to this lack of understanding by adopting the role of the defiant victim in the pursuit of artistic ideals. This was especially true of Schiele, who even had to atone for the radicalism of his art with a prison sentence.
Schiele not only concentrated on the female body but also repeatedly examined the physical qualities of the male nude. And in this respect he was himself his main subject of study. This pencil drawing of 1912 is rendered in such delicate lines that it is scarcely recognizable. It is only the pubic hair that appears as a bold black form and draws the viewer’s gaze to the genitals at the focus of an axial composition. On either side there are loosely hanging, long-fingered hands that play a key role as a vehicle of expression in Schiele’s work. The vertical forms are surmounted by the head leaning slightly to the side. The expression seems relaxed, exhausted or resigned. The open approach to the subject of masturbation also has, in the
cross-shaped arrangement of the exposed parts of the body, connotations of artistic martyrdom, an aspect often to be found in both Schiele’s and Oskar Kokoschka’s art.

Edwin Lachnit

Literatur: Jane Kallir: Egon Schiele. The Complete Works. New York 1998, S. 481, WVZ Nr. 1159.



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