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Vorbericht der 51. Kunstauktion am 25. März 2017
 

Anbieter: Schmidt Kunstauktionen Dresden, D-01099 Dresden (Anfahrtsplan anzeigen)

Zur diesjährigen Weihnachtsauktion präsentiert unser Haus eine interessante Auswahl Bildender Kunst und Kunsthandwerk des 15. bis 20. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet der älteren Malerei ist zunächst die Ferdinand Kobell zugeschriebene Landschaft "An der Furt" (Limit 5.000,- EUR) zu erwähnen, deren delikater Farbauftrag ebenso begeistern kann, wie das kompositionelle Können des Malers: Die auf einer Anhöhe in die Ferne deutende reitende Hirtin schafft den Einstieg in den weiten Landschaftsraum, der rechts von pittoresken Bäumen begrenzt wird, die sich zum Teil schon im Übergang zu herbstlicher Färbung befinden. Dieser transitorische Aspekt innerhalb der Vegetation schafft zusammen mit der in der Kunst dieser Zeit omnipräsenten Suche nach dem fernen - dem inneren - Arkadien, die sehnsuchtsvolle Grundstimmung des Bildes, die neben seiner harmonischen Komposition seinen besonderen Reiz ausmacht. Eine Trouvaille der norwegischen Malerei der Jahrhundertmitte repräsentiert das 19. Jahrhundert: Adolph Tidemands "Lystringen (Nächtliche[r] Fischfang)" von 1849 (Limit 25.000,- EUR). Das kleine Format dieser fein ausgearbeiteten Gemäldevorstudie deutet bereits auf die Qualität des heute in Olso befindlichen Hauptwerks dieses Malers hin. Das Gemälde zeigt eine Gruppe von Fischern in einem Ruderboot. Die Beleuchtung der Szene durch den Mond, der durch die Wolken schimmert und durch die hoch erhobene Fackel des stehenden Fischers, rufen Hauptwerke der Kunstgeschichte von Elsheimer und Rembrandt in Erinnerung - im Gewand des Realismus der Düsseldorfer Malerschule. Eine weitere kleine Attraktion aus dem 19. Jahrhundert ist ein Gipsrelief des Dresdner Bildhauers Ernst Julius Hähnel. Das auf der Rückseite als "Futterneid" (Limit 3.500,- EUR) betitelte Stück ist ein Beleg für den bisweilen unkonventionellen Umgang mit der antiken Personage, stellt es doch keinesfalls eine Genreszene dar: Gezeigt werden Bacchus, Ganymed und Amor, wie sie zum Zeitvertreib den Streit des Adlers mit dem Panther um den freigiebig ausgeschenkten Göttertrank herbeiführen und beobachten. Den gelehrten Scherz kann sich Hähnel sehr wohl erlauben, denn die vollkommen harmonische Komposition des Reliefs zeugt von einem Verständnis von der Darstellung der antiken Figuren. Im Bereich der grafischen Künste können wir unsere Angebotspalette dieses Mal zeitlich erweitern. So finden sich sowohl fein kolorierte Inkunabelblätter aus deutschen Drucken als auch ein guter Abzug von Dürers "Heiligem Sebaldus" von 1518 (Limit 600,- EUR) mit rückseitig bemerkenswert dokumentierter Provenienz. Am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert steht eine Auswahl unbeschnittener Blätter von Johann Christian Reinhart, allen voran seine "heroische, Schiller dedicierte, Landschaft" (Limit 900,- EUR). Aufgerufen wird hier ein vollendeter Abzug auf Tonpapier. Das andere Ende der Zeitleiste unserer Offerten markieren bekannte Dresdner Künstler des 20. Jahrhunderts. Allen voran ist hier Curt Querners "Bildnisstudie Inge Auxel mit Zöpfen" von 1967/ 1968 (Limit 9.000,- EUR) zu nennen, die ein Belegstück für das anhaltende Ringen des Künstlers um Wesenhaftigkeit im Porträt ist. Daneben sind zwei Arbeiten von Hermann Glöckner erwähnenswert. Mit der zarten "Gelbgrüne[n] Faltung zwischen Grau und Blau" von 1955 (Limit 2.000,- EUR) steht eine Art auf den Punkt gebrachte Form dieses bestimmenden Oeuvrebestandteils Glöckners zum Verkauf. Seine "Rotbraune[n] Flecken, mit Vogelkopf" von 1962 (Limit 1.200,- EUR) verbildlichen dagegen den manchmal spielerisch-leichten Charakter seiner Arbeit. Mit gleich zwei Stilleben ist der Dresdner Rudolf Nehmer vertreten. Er schrieb einmal, dass er immer wieder hoffe, "daß die Freude und Nachdenklichkeit", die das Stilleben in ihm weckte, "im Bilde dem Betrachter zu gleicher Freude" erwachse. Das heitere "Gurkenbeieinander" (Limit 2.600,- EUR) kann wohl als passendste Illustration für diesen Wunsch des Künstlers gelten - die einfache, dabei aber höchst ausgewogene Häufung eines so banalen Gegenstandes erfreut das Auge auf eine fast schon kindliche Art und Weise. Neben den „Zwickauer Häuser[n]“ (Limit 1.800 EUR) des Berliners Konrad Knebel haben auch zwei Pastelle aus dem Nachlaß von Elfriede Lohse-Wächtler die Stadt zum Inhalt. Die frontale Ansicht der "Pillnitz-Loschwitzer Elbbrücke" (Limit 7.500,- EUR) in Dresden und der beinahe abstrakt-geometrische "Blick über Mietshäuser" (Limit 5.500,- EUR) in Hamburg stehen sich wie Antagonisten gegenüber - zusammen die bildgewordene Suche nach der passenden Ausdrucksform. Aus den 1920er Jahren stammen zwei Arbeiten von Hans Unger. Zum einen wird ein Gemälde aus Ungers bekanntester Oeuvregruppe zur Versteigerung gelangen: Wie schon Künstler Jahrhunderte zuvor beschäftigte er sich mit der Personifikation der Tageszeiten. Seine pastose Darstellung des Morgens (Limit 3.700,- EUR) mit einem raumgreifenden Frauenakt besticht durch das fast schon simple Gegenüber von Naturerscheinung und Körperlandschaft. Ganz anders zeigt sich dagegen die Hand des Künstlers im zeichnerischen Medium. Das Pastell "Santa Maria della Salute Venedig" (Limit 1.200 EUR) hat nichts vom Symbolhaften des Gemäldes und trägt damit der Leichtigkeit und Transparenz des Materials Rechnung. Offenbar hat sich der Künstler hier ganz vom Zauber des Ortes hinreißen lassen, sodass noch heute die Bedeutung der Stadt für die Künstler dieser Zeit anhand dieses einen Bildes erlebbar wird. Abgerundet wird das Angebot durch eine Auswahl feiner Möbel und hochwertigem Porzellan, darunter ein Teller aus dem Service, das der Sächsische König Albert anlässlich seiner Aufnahme in den Hosenbandorden bei der Meissner Manufaktur in Auftrag gab. Außerdem wird eine Reihe zauberhafter Schmuckstücke angeboten, beispielsweise ein zartes Art Déco Brillantcollier mit Steinbesatz von insgesamt 1,6ct (Limit 1.800,- EUR).

Katalog: Highlights der 38. Kunstauktion am 07.12.2013
Art. Nr.:
Elfriede Lohse-Wächtler "Elbbrücke Blasewitz - Loschwitz". 1931. Farbige Pastellkreide auf kräftigem chamoisfarbenen Bütten.
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Unsigniert. Auf Untersatzkarton montiert und hinter Glas im profilierten, holzmaserierten und lackierten Rahmen mit silberfarbener Sichtleiste gerahmt.
WVZ Reinhardt 173, mit abweichenden Maßen.

Provenienz: Aus dem Nachlaß der Künstlerin.

Seit ihrer Rückkehr aus Hamburg ins beheimatete Dresden traten landschaftliche Szenen wieder stärker im zeichnerischen Werk Lohse-Wächtlers in Erscheinung. Die als "Blaues Wunder" titulierte stählerne Elbbrücke zwischen den Stadtteilen Loschwitz und Blasewitz stellt nicht nur aufgrund ihrer auffälligen Konstruktion und Farbgebung ein beliebtes Motiv innerhalb der Dresdner Elblandschaft dar, sondern ihr dürfte auch in der alltäglichen Seherfahrung der Künstlerin eine besondere Rolle zugefallen sein. Als Bindeglied zwischen den flacheren, sich mehr in der Ebene ausdehnenden linkselbischen Stadteilen und dem steil aufragenden, wild zerklüfteten Elbhang auf der rechten Flußseite ist die Brücke Übergang und Grenze zugleich - ein aufgrund der räumlichen Nähe zur elterlichen Wohnung nicht aus dem Erleben Lohse-Wächtlers wegzudenkendes Objekt.
Für die 1931 entstandenen Pastellzeichnung wählte Lohse-Wächtler einen Standort auf der Loschwitzer Seite der Brücke, ungefähr da, wo der kleine Bach "Trille" aus dem rückwärtig liegenden Grund in die Elbe mündet. Ausgangspunkt für ihre Betrachtung ist also nicht die Elbseite ihres Elternhauses, sondern ein Platz vis à vis. Der über eine Flußbiegung geführte Blick wogt in fließender Bewegung zwischen den zeltartigen Brückenaufbauten hindurch, um in der Ferne auf den Türmen des Schlosses Albrechtsberg haften zu bleiben. Im abendlichen Gegenlicht wirkt der geschwärzte Mittelteil der Brücke beinah bedrohlich, die berühmte blaue Farbgebung scheint nur leise durch, ist mehr erahn- als erfahrbar - eine poetische Inszenierung der Brücke, die der Zeichnung auch einen Hauch Wehmut eingibt.

Vgl.: Reinhardt, Hildegard, Die Dresdner und Arnsdorfer Jahre - 1931 bis 1940, In: Reinhardt, Georg (Hrsg.), "Im Malstrom des Lebens versunken…". Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940). Leben und Werk, Köln 1996, S. 114f.

Die Farbschicht im Bereich des linken Brückenpfeilers sowie am rechten Darstellungsrand mit vereinzelten leichten Kratzspuren. Die Randbereiche partiell etwas atelierspurig, insgesamt etwas angeschmutzt. Der rechte Blattrand knickspurig, mit zwei kleineren und einem größeren Einriß, der linke mit einem minimalen Einriß. Im unteren Randbereich punktuelle Flüssigkeitsspuren. Die Blattränder verso umlaufend mit Resten einer alten Montierung, partiell recto durchschlagend. Am Blattrand li. drei Reißzwecklöchlein.

49 x 68,1 cm, Ra. 68 x 86, 5 cm.
Schätzpreis: € 9.000,00



Highlights der 38. Kunstauktion am 07.12.2013
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