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Wienerroither & Kohlbacher GmbH
Kunsthandel - Austrian Fine Art
, A-1010 Wien

Kaufobjekt

Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Grafik
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945

Art. Nr.: 22
DER WIND, 1902/03
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ALFRED KUBIN Leitmeritz/Böhmen 1877 – 1959 Zwickledt bei Wernstein am Inn

Tusche und Bleistift auf Katasterpapier, 385 x 305 mm
Signiert rechts unten in Bleistift: AKubin
Bezeichnet links unten in Bleistift: Der Wind
Verso: Widmung: Frau Dr. Pauwels | in dankbarer Erinnerung | an Münchner Wintertage 1912 | Felix Grafe

Alfred Kubins Tuschfederzeichnung „Der Wind“ ist der ‚reifen’ Phase seines Frühwerks um 1902/03 zuzurechnen, in denen eine gewisse Abmilderung der krassen Bildmotive von Trieb,- Angst- und Zwangsvorstellungen feststellbar ist, mit denen der Künstler ab 1899/1900 in München für Aufsehen und Verstörung sorgte. Dabei ist nicht nur eine Verfeinerung seines anfänglich karikaturhaften, dann ungewöhnlich rohen, von den Zeitgenossen als ‚primitiv’ empfundenen Zeichenstils zu beobachten, sondern auch eine Konzentration auf wenige, groß gesehene Symbolfiguren in einem diffus entgrenzten Raum, den Kubin mittels einer von ihm entwickelten Spritztechnik zu erzeugen wusste. Einen ersten Höhepunkt für diesen voll entwickelten Zeichenstil stellte die sogenannte >Weber<-Mappe von 1903 dar, in der 15 ausgesuchte Blätter der Periode von 1901 bis 1903 in Lichtdrucken versammelt waren. Hier zeigen berühmte Blätter wie „Das Grausen“ oder „Des Menschen Schicksal“ eine ähnliche Fokussierung des Bildgeschehens auf eine einzige Figur, die jedoch noch mehr als „Der Wind“ in eine Handlung eingegliedert und mit narrativen Attributen versehen ist. Auf der künstlerisch souveränen Stufe von Kubins Frühwerk, die zugleich einen Übergang zu den mit weicherem Tuschpinsel gearbeiteten Blättern von 1903/04 darstellt, wird die Aussagekraft der Komposition stilistisch gekonnt nun ganz in die Erscheinungsweise der Figur integriert: hier etwa kommt das stürmische Blasen des Windes von links quer über das Bild einzig in der meisterhaften Verformung der großen, in weißes Tuch gehüllten Gestalt zum Ausdruck, deren Disproportionen noch an die ‚Elefantiasis’ mancher früherer Bilderfindungen erinnert. Verstärkt wird der gewaltige horizontale Zug des flatternden Gewandes durch die beiden feinen Linien, die der „Wind“ in den Händen hält, - offenbar Seile eines Drachens, der sich jedoch, einmal mehr Effekt, außerhalb des Bildraums befindet.
Wie die Widmung auf der Rückseite erkennen lässt, gehörte diese Zeichnung einst dem österreichischen Schriftsteller Felix Grafe, der seit 1911 bis zu seinem Tod 1942 durch Hinrichtung als Widerstandskämpfer in Wien mit Kubin befreundet war und eine ganze Reihe von seinen Blättern besaß. Der umfangreiche Briefwechsel zwischen Kubin und Grafe ist im Kubin-Archiv der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München aufbewahrt.

THE WIND, 1902/03
Ink and pencil on land register paper, 385 x 305 mm
Signed in pencil (lower right): AKubin
Inscribed in pencil (lower left): Der Wind
Verso: inscription: Frau Dr. Pauwels | in dankbarer Erinnerung | an Münchner Wintertage 1912 | Felix Grafe

Alfred Kubin’s pen and ink drawing The Wind can be attributed to the ‘mature’ phase of his early work from around 1902/03. In this phase he toned down the more extreme motifs shaped by desire, fear and obsession, which had been the cause of scandal and upset in 1899/1900 in Munich. Kubin now refined his style of drawing, which in his early work had had a touch of caricature and then became unusually rough – consequently deemed to be ‘primitive’ by contemporaries. This phase is also characterized by his concentration on a few large symbolic figures in an indistinct, unenclosed space which Kubin created with his own spatter technique. A first highlight in this fully developed style was the so-called ‘Weber’ portfolio of 1903, which comprised fifteen pictures selected from the period 1901 to 1903 and printed as collotypes. In this, famous prints like Horror or Man’s Fate show a similar focus on a single figure, although these are more integrated into a plot and have more narrative attributes than The Wind. At this artistically assured stage of Kubin’s early work, which at the same time marks a transition to the softer ink and wash works of 1903/04, the composition’s expressiveness is skilfully conveyed by the appearance of the figure. In this drawing, for example, the stormy gusts of wind, blowing in from the left, are expressed purely through the figure’s brilliantly distorted white cloth with disproportions that recall the ‘elephantiasis’ of some earlier pictorial inventions. This horizontal tug of the fluttering garment is intensified by the two fine lines which the ‘wind’ is holding – evidently the strings of a kite which for greater effect is outside the picture space.
As the inscription on the reverse reveals, the drawing once belonged to the Austrian writer Felix Grafe, who was a friend of Kubin’s from 1911 until he was executed in Vienna in 1942 for being a resistance fighter. Grafe owned many of Kubin’s works. The extensive correspondence between Kubin and Grafe is housed at the Kubin Archives of the Städtische Galerie at the Lenbachhaus in Munich.

Annegret Hoberg

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Band 10
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