|
Art. Nr.: 25
ST. MICHAEL IN HEILIGENSTADT, um 1930
CARL MOLL Wien 1861 – 1945 Wien
Öl auf Holz, 60 x 49,5 cm
Monogrammiert links unten: CM
Über das breite Dach der Heiligenstädter Kirche schweift der Blick auf die herbstlichen Hänge des Nußbergs bis zur verblauenden Kontur des Leopoldsbergs. Die Verfärbungen der Natur sind nuanciert eingefangen, die der Turm von St. Michael markant durchschneidet. Es war Molls Lehrmeister und großes Vorbild Emil Jakob Schindler, der seine Sensibilität für die umgebende Landschaft geweckt und ihm die subtilen Ausdrucksmöglichkeiten der Landschaftsmalerei eröffnet hatte.
Moll kehrte gerade im Alter gerne zu den Bildern seiner Glanzzeit um die Jahrhundertwende zurück, wie zum Ausblick vom Atelier seines Hauses auf der Hohen Warte hinüber zu den Bergen zu verschiedenen Jahreszeiten - er wollte Vertrautes festhalten, wo rund um ihn seine Welt zu zerbrechen begann. In seinen letzten Lebensjahren trafen ihn Schicksalsschläge wie etwa der Tod seiner Frau, die bei dem zunehmend Vereinsamenden Depressionen aufkommen ließen.
Als eine der treibenden Kräfte der Wiener Secession war Moll bestrebt gewesen, besonders französische Kunst in Wien bekannt zu machen. Er hatte vielbeachtete Ausstellungen organisiert, aber auch als Künstler selbst, immer offen für Neues, die Lehren der Franzosen aufgegriffen und sich besonders ihre Farbigkeit anzueignen versucht.
In späteren Jahren hatte er sich von der secessionistischen Strenge seiner Arbeiten um 1900 zu einer offeneren, starkfarbigen Malweise entwickelt. Diese kräftigen Farben wurden im Spätwerk wieder etwas gedeckter, doch nahm die Verve der Gestaltung zu. Nicht als Vergröberung, sondern vielmehr als Steigerung der künstlerischen Energie wirkt die Verwendung des Palettmessers, das den malerischen Gestus unmittelbar überträgt und von der künstlerischen Bravour zeugt, mit der die Farbe in breiten Zügen rasch auf der Leinwand vertrieben wird.
ST. MICHAEL’S IN HEILIGENSTADT, c. 1930
Oil on wood, 60 x 49.5 cm
Signed with a monogram (lower left): CM
The view sweeps across the wide roof of the church in Heiligenstadt to the autumnal slopes of the Nussberg and on to the bluish contour of the Leopoldsberg. Nature’s changing colours have been captured in subtle nuances, which the spire of St. Michael’s strikingly cuts through. It was Moll’s teacher and great role model Emil Jakob Schindler who had awakened his sensitivity to the surrounding landscape and revealed to him the subtle expressive potential of landscape painting.
Especially in old age, Moll returned to the images from his heyday at the turn of the century, like the view from his studio at his house on the Hohe Warte over to the hills in different seasons. He wanted to capture familiar scenes as his own world started to crumble. It was a time when he was dealt blows of fate, like the death of his wife, which led to increasing loneliness and depression.
As one of the Vienna Secession’s driving forces, Moll was concerned to make French art, in particular, more well known in Vienna. He organized highly esteemed exhibitions in the city and as an artist, always open to something new, he absorbed the teachings of French artists, aiming above all to adopt their colourfulness.
In later years the Secessionist stringency of his work around 1900 developed into a more open and vivid style of painting. These bold colours were toned down again in his late work, while at the same time the verve in design increased. His use of the palette knife doesn’t suggest a cruder style but conveys heightened artistic energy as it directly translates the painter’s hand and bears witness to the artistic bravura with which the paint is applied to the canvas in broad strokes.
Stephan Koja
Literatur: G. Tobias Natter und Gerbert Frodl: Carl Moll, 1861 – 1945. Österreichische Galerie Belvedere Wien. Verlag Galerie Welz. Salzburg 1998. vgl. Farbabb. 38.
Preis auf Anfrage:
|