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Antiquitäten Ahrend
E. Helga Ahrend - Anna-Maria Wager - Almut Wager
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Kaufobjekt
Art. Nr.: 05
Hirtenidyll - Brosche/Anhänger
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G. Stephany und J. Dresch

Brosche/Anhänger. Eingesetzt in einen Holzrahmen in josephinischem Stil.

Künstler: G. Stephany und J. Dresch.
An der unnachahmlichen Gestaltungsweise des beschaulichen Landschaftsbildes ist unschwer zu erkennen, dass es sich um ein Werk dieser beiden in den 1790er Jahren gemeinsam für den englischen König Georg III. tätigen Hofbildhauer handelt (Lit.: P. W. HARTMANN, Elfenbeinkunst, S. 125-130).

Dargestellt ist eine Weidelandschaft, durch die ein Bächlein fließt. Im Zentrum des hauchzart aus Elfenbein ausgeführten Reliefbildes sind eine Kuh und zwei Schafe zu sehen, die ein auf einem großen Stein sitzender Knabe hütet. Eines der beiden Schafe trinkt aus dem schmalen Wasserlauf. Links und rechts befinden sich mehrere Büsche, ein Nadelbaum, ein Laubbaum und eine „Baumruine“. Bäume mit abgestorbenen Kronen sind in der Weidelandschaft Englands häufig zu finden. Vor allem die Ausformung des unglaublich zarten Zweigwerks lässt die Virtuosität der beiden Hofbildhauer erahnen.

Es ist kaum vorstellbar, wie es vor mehr als 200 Jahren gelang, mit einfachen Sägen und Sticheln das harte Elfenbein in so winzigen Dimensionen zu gestalten. Die Zweige der Bäume und Sträucher haben mikroskopisch kleine Durchmesser, und auch die Abstände zwischen manchen Zweigen betragen bisweilen nur zwei bis drei Hundertstelmillimeter (0,02 – 0,03 mm!). Im Vergleich dazu hat ein menschliches Haar einen Durchmesser von etwa vier Hundertstelmillimetern. Erstaunlich ist dabei, dass dieses unfassbar feine Ast- und Zweigwerk nicht am Bildhintergrund aufliegt und fixiert ist, sondern dass die Bäume und Sträucher frei stehen und bei entsprechender Beleuchtung Schatten auf den Hintergrund werfen.
Betrachter fragen oft erstaunt, ob vor mehr als 200 Jahren bereits so gute Vergrößerungsgläser verfügbar waren, um ein Bildwerk in derartig sensationeller Kleinheit zu gestalten. Tatsache ist aber, dass nicht die Lupen das Entscheidende waren. Sehhilfen aus Beryll kannte man bereits in römischer Zeit. Unvorstellbar ist dagegen die Handhabung der Werkzeuge. Wie es mit den einfachen Sägen und Sticheln gelang, das harte Elfenbein in mikroskopisch kleinen Dimensionen zu bearbeiten, ohne beispielsweise bei der Ausformung der nur wenige Hundertstelmillimeter voneinander entfernten Zweige die Nachbarzweige zu beschädigen, ist unvorstellbar. Es wurden dabei Grenzen überschritten, die man im allgemeinen als von Menschen noch machbar ansah, und man nannte solche Mikroschnitzereien deshalb „Kunststücke“ oder „Mirabilien“, d. h. Wunderdinge.

G. Stephany (Stephani), der als Augsburger Künstler bezeichnet wird (z. B. im Künstlerlexikon G. K. Nagler), und sein gleichfalls aus Deutschland stammender Partner J. Dresch arbeiteten in den 1790er Jahren gemeinsam in London. Mehrere Mikrobilder von ihnen wurden ab 1791 bei Ausstellungen an der Royal Academy of Arts in London präsentiert und bewundert. Es heißt, dass sie immer gemeinsam auftraten und sehr vermögend waren, da Kunstliebhaber einander überboten und „heavy sums“ bezahlten, um eines ihrer Bildwerke erwerben zu können, deren Herstellung lange Zeit beanspruchte.

König Georg III. von England war von den Arbeiten der beiden erfolgreichen Künstler so angetan, dass sie das Privileg erhielten, sich „Elfenbeinbildhauer in Miniatur Ihrer Majestäten“ zu nennen („Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties“).
Die Mikrobilder der beiden Künstler sind typisch für die im nachklingenden Rokoko herrschende Vorliebe für das Außergewöhnliche. Im Zusammenhang mit den kleinen Elfenbeinreliefs war die sensationelle Feinheit der Ausarbeitung ausschlaggebend; „je kleiner und feiner, desto wertvoller“. Zu jener Zeit wurden Objekte der bildenden Kunst noch in direktem Zusammenhang mit „Können“ gesehen. Die Kunstkenner und Kritiker der damaligen Zeit waren vor allem von dem Können der Bildhauer, d. h. von der Einzigartigkeit und Unnachahmlichkeit der von ihnen geschaffenen Kunstobjekte fasziniert.

Vor dem Einsetzen des Elfenbeinreliefs in die 4,3 x 2,2 cm große elliptische „Primärfassung“ erfolgte der Auftrag des dunklen Pigmentes mittels eines Pinsels als Bildhintergrund. Nachdem die Mikroschnitzerei in diese Zargenfassung aus Messing eingearbeitet war, wurde sie zum Schutz der mikroskopisch feinen Elfenbeinschnitzerei mit einem Abdeckglas verschlossen und das Objekt von den Bildhauern als „Kunststück“ verkauft. Der Käufer ließ das „Hirtenidyll“ dann zusammen mit der „Primärfassung“ von einem Goldschmied mit einer zweiten Fassung versehen („Sekundärfassung“), d. h. als Brosche fassen (18 Kt.). Durch die senkrechte Anbringung der Nadel kann das Objekt an einer Kette auch als Anhänger getragen werden. Die Umwandlung von einem Kunstwerk in ein Objekt der Gebrauchskunst erfolgte oft erst in späterer Zeit.
In weiterer Folge wurde das Kleinod, umgeben von schwarzem Samt, eingefügt in einen 11,5 x 11,0 cm großen, schwarz gebeizten Holzrahmen in josephinischem Stil, der mit vergoldeten Rosetten und Stäben in Form eines Zopfmusters verziert ist. Das Schmuckstück kann nun, der ursprünglichen Bestimmung solcher Wunderdinge entsprechend, als Wanddekoration zur Schau gestellt werden.
Da sich der Rahmen an der Rückseite öffnen lässt, ist es möglich, den Anhänger aus dem Rahmen zu nehmen und das Schmuckstück zu tragen. Es kann aber jederzeit wieder in den Rahmen eingesetzt werden.

Preis: nicht vermerkt


Elfenbeinkunst-Ausstellungsstücke
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