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Antiquitäten Ahrend
E. Helga Ahrend - Anna-Maria Wager - Almut Wager
, D-80333 München, Website öffnen

Kaufobjekt
Art. Nr.: 25
Weidelandschaft - Dose für Schönheitspflästerchen
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G. Stephany und J. Dresch

Originaletui.

Das in den 1790er Jahren entstandene Mikrobild „Weidelandschaft“ ist im Deckel einer aus Elfenbein gedrechselte Dose für Schönheitspflästerchen eingesetzt. Die Gestaltungsweise des Motivs und die technische Ausführung des Elfenbeinbildes sind charakteristisch für die beiden Künstler.

Dosen für die vor allem im Rokoko beliebten Schönheitspflästerchen waren mitunter sehr teuer ausgeführt; in dem Fall ziert eines der begehrten Mikrobilder der beiden Hofbildhauer den Dosendeckel. Solche Behälter wurden früher „Mouchen-Dosen“ genannt, von französisch „mouche“, für Fliege, der seinerzeit üblichen Bezeichnung für Schönheitspflästerchen.

Zu sehen ist eine Weidelandschaft mit Sträuchern, Bäumen und einer „Baumruine“. Bäume mit abgestorbenen Kronen kann man in der Weidelandschaft Englands häufig finden. Im Vordergrund sind weidende Schafe zu sehen, die ein Mann hütet; er hält eine Peitsche und spricht mit einer neben ihm stehenden Frau. Am linken Bildrand ist eine aus Backsteinen gemauerte Hütte mit geöffneter Tür dargestellt, vor der ein Mann steht, der an einem Stock ein Bündel am Rücken trägt.

Vor allem die Bäume und Sträucher sind in spektakulärer Feinheit ausgearbeitet. Die Zweige haben einen Durchmesser von nur wenigen Hundertstelmillimetern, und auch der Abstand zwischen manchen Zweigen beträgt nur zwei bis drei Hundertstelmillimeter (0,02 – 0,03 mm!), also weniger als der Durchmesser eines menschlichen Haares mit etwa vier Hundertstelmillimetern. Erstaunlich ist dabei, dass dieses unfassbar feine Ast- und Zweigwerk nicht am Bildhintergrund aufliegt und fixiert ist, sondern dass die Bäume und Sträucher frei stehen und bei entsprechender Beleuchtung Schatten auf den Hintergrund werfen.

Betrachter fragen oft erstaunt, ob vor mehr als 200 Jahren bereits so gute Vergrößerungsgläser verfügbar waren, um ein Bildwerk in derartig sensationeller Kleinheit zu gestalten. Tatsache ist aber, dass nicht die Lupen das Entscheidende waren. Sehhilfen aus Beryll kannte man bereits in römischer Zeit. Unvorstellbar ist dagegen die Handhabung der Werkzeuge. Wie es mit den einfachen Sägen und Sticheln gelang, solch spektakuläre, unfälschbare Bildwerke herzustellen, die deshalb als „ Kunststücke“ oder als „Mirabilien“ (Wunderdinge) bezeichnet wurden.

G. Stephany, der als Augsburger Künstler bezeichnet wird (z. B. im Künstlerlexikon G. Nagler), und sein gleichfalls aus Deutschland stammender Partner J. Dresch, arbeiteten in den 1790er Jahren in London und während der Sommermonate zumeist im Nobelkurort Bath. Ab 1791 waren von den beiden Künstlern insgesamt 12 Werke in der Royal Academy of Arts in London ausgestellt und wurden von Kunstliebhabern um „heavy sums“ erworben. Auch der englische König Georg III. war von ihren Werken sehr angetan und verlieh ihnen das Privileg, sich „Elfenbeinbildhauer in Miniatur Ihrer Majestäten“ zu nennen („Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties“).

Die aus Elfenbein gedrechselte oblonge Dose mit abgerundeten Schmalseiten ist 9,0 cm lang, 3,0 cm breit und ohne die Umrahmung des Mikrobildes 1,3 cm hoch. Das in den Dosendeckel eingesetzte querovale Mikrobild „Weidelandschaft“ hat die Abmessungen 3,2 x 2,1 cm. Die sogenannte „Primärfassung“, mit der das Schutzglas, das Mikrobild und der aus dunkelblauem Glas bestehende Bildhintergrund verbunden sind, ist nicht zu sehen. Sie wird durch den Goldrahmen verdeckt, der das gesamte Objekt im Dosendeckel fixiert. Der Deckel hat ein goldenes Scharnier und rastet in einem mittels Druckknopf zu betätigenden Verschluss ein. An der Innenseite des Deckels befindet sich der originale Spiegel. Auch die Samteinlage, auf der die mit Mastix vorgummierten Schönheitspflästerchen hafteten, ist aus der Zeit.

Obwohl als Gebrauchsgegenstand konzipiert, hat sich die wertvolle Dose durch den Schutz des originalen Etuis in neuwertigem Zustand erhalten.

(In den Antiquitätenhandel gelangen bisweilen Dosen für Schönheitspflästerchen, die anstelle eines Mikrobildes mit einer Gouache oder in Piqué-Technik verziert sind. Heute werden solche Dosen fast immer fälschlich als „Zahnstocherbehälter“ bezeichnet. Zum Unterschied von „Mouchen-Dosen“ haben die für Zahnstocher bestimmten Etuis aber immer einen Einsatz mit Vertiefung, in die der zumeist aus Edelmetall gefertigte Zahnstocher genau hineinpasst. Zudem haben Zahnstocherbehälter im allgemeinen keinen Spiegel an der Deckelinnenseite.)
Preis: nicht vermerkt


Elfenbeinkunst-Ausstellungsstücke
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