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Elfenbein
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Elfenbeinfarbe
Miniaturschnitzereien
Mikrobilder
Kleinigkeitsarbeiten
 

Antiquitäten Ahrend
E. Helga Ahrend - Anna-Maria Wager - Almut Wager
, D-80333 München, Website öffnen

Kaufobjekt
Art. Nr.: 27
Spaziergang mit dem Hund
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G. Stephany und J. Dresch

G. Stephany und J. Dresch zugeschrieben. Die Gestaltungsweise der beschaulichen Landschaft weist unverwechselbar den Stil der beiden aus Deutschland stammenden Künstler auf, die in den 1790er Jahren in London für den englischen König Georg III. als Hofbildhauer tätig waren. Das Werk zählt zu den wenigen großformatigen Mikrobildern; die Feinheit der Ausführung ist aber unübertroffen.
Beim Betrachten dieses Landschaftsbildes wird klar, warum bereits vor mehr als 200 Jahren die Werke der beiden Bildhauer als „Kunststücke“ oder als „Mirabilien“ (Wunderdinge) bezeichnet wurden. Im Vordergrund der felsigen Landschaft sind eine Frau und ein Mädchen sowie ein kleiner Hund dargestellt, der vor ihnen herläuft. Hinter ihnen führt eine Brücke über einen Bach, der sich durch die Landschaft windet. Wie bei vergleichbar alten Elfenbeinobjekten üblich, die langgestreckt und im Material extrem dünn sind, weist die aus hauchdünnem Elfenbein gebildete Wasserfläche einen Spannungsriss auf.
Teile des Landschaftsbildes haben große Ähnlichkeit mit dem von Stephany und Dresch signierten „Hirtenidyll“ aus der Connoisseur Collection, das als „das am feinsten geschnitzte Bildwerk der Welt“ bezeichnet wurde.
(Ausgestellt war die erwähnte Sammlung u. a. 2000 in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien, 2001 im Schmuckmuseum Pforzheim und 2002 im Jagd- und Fischereimuseum München.)
Besonders der Baum und die „Baumruine“ bei den beiden Häusern, in der Mitte des Bildes, haben Gemeinsamkeiten mit den als Zentralmotiv fungierenden Bäumen des genannten „Hirtenidylls“. Auch die mikroskopisch fein ausgearbeiteten Bäume in der Ferne, rechts und links der Kirche, weisen den Stil der Bildhauer auf.
Vor allem die Gestaltung des Zweigwerkes lässt die Virtuosität der beiden Hofbildhauer erahnen. Die Zweige der Bäume und Sträucher haben mikroskopisch kleine Ausmaße; ihr Durchmesser und die Abstände zwischen einzelnen Zweigen betragen stellenweise nur zwei bis drei Hundertstelmillimeter (0,02 – 0,03 mm!). Vergleichsweise hat ein menschliches Haar einen Durchmesser von etwa vier Hundertstelmillimetern.
Erstaunlich ist dabei, dass dieses unfassbar feine Ast- und Zweigwerk nicht am Bildhintergrund aufliegt und fixiert ist, sondern dass die Bäume und Sträucher frei stehen und bei entsprechender Beleuchtung Schatten auf den Hintergrund werfen. Das Mikrobild hat eine ungewöhnliche Tiefe; der Abstand vom Abdeckglas bis zum Bildhintergrund beträgt mehr als einen Zentimeter.

Betrachter fragen oft erstaunt, ob vor mehr als 200 Jahren bereits so gute Vergrößerungsgläser verfügbar waren, um ein Bildwerk in derartig sensationeller Kleinheit zu gestalten. Tatsache ist aber, dass nicht die Lupen das Entscheidende waren. Sehhilfen aus Beryll kannte man bereits in römischer Zeit. Unvorstellbar ist dagegen die Handhabung der Werkzeuge, nämlich wie es mit einfachen Sägen und Sticheln gelang, das harte Elfenbein in mikroskopisch kleinen Dimensionen zu bearbeiten, ohne beispielsweise bei der Ausarbeitung der nur wenige Hundertstelmillimeter voneinander entfernten Zweige die Nachbarzweige zu beschädigen. Es wurden dabei Grenzen überschritten, die man im allgemeinen als von Menschen noch machbar ansah, und man nannte solche Mikroschnitzereien deshalb „Kunststücke“ oder „Mirabilien“ (Wunderdinge).

G. Stephany (Stephani), der als Augsburger Künstler bezeichnet wird (z. B. im Künstlerlexikon G. K. Nagler), und sein gleichfalls aus Deutschland stammender Partner J. Dresch, arbeiteten in den 1790er Jahren gemeinsam in London. Mehrere Mikrobilder von ihnen wurden bei Ausstellungen in der Royal Academy of Arts in London präsentiert und bewundert. Es heißt, dass sie immer gemeinsam auftraten und sehr vermögend waren, da Kunstliebhaber einander überboten und „heavy sums“ bezahlten, um eines ihrer Bildwerke erwerben zu können, deren Herstellung lange Zeit beanspruchte. König Georg III. von England war von den Arbeiten der beiden erfolgreichen Künstler so angetan, dass sie das Privileg erhielten, sich „Elfenbeinbildhauer in Miniatur Ihrer Majestäten“ zu nennen („Sculptors in Miniature on Ivory to their Majesties“).

Die Mikrobilder der beiden Künstler sind typisch für die im nachklingenden Rokoko herrschende Vorliebe für das Außergewöhnliche. Im Zusammenhang mit Mikrobildern war die sensationelle Feinheit der Ausarbeitung ausschlaggebend; „Je kleiner und feiner, desto wertvoller.“ Zu jener Zeit wurden Objekte der bildenden Kunst noch in direktem Zusammenhang mit „Können“ gesehen. Die Kunstkenner und Kritiker der damaligen Zeit waren vor allem von dem Können der Bildhauer, d. h. von der Einzigartigkeit und Unnachahmlichkeit ihrer Objekte fasziniert.

Das hochovale Mikrobild ist von einem geprägten feuervergoldeten Messingrahmen umgeben und hat die Abmessungen: 9,0 x 8,0 cm. Als Hintergrund dient schwarzes Glas. Der Holzrahmen stammt aus späterer Zeit.
Preis: nicht vermerkt Ausschnitt


Elfenbeinkunst-Ausstellungsstücke
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