|
Art. Nr.: 22
Mazeppa-Motiv . Brosche
Miniaturschnitzerei
Deutsch, zweite Hälfte 19. Jahrhundert.
Aus einem Stück Elfenbein als Hochrelief mit Hinterschneidungen und Freischneidungen meisterhaft gestaltetes Motiv. Die Dramatik der Szene, des vor einem Wolfsrudel in voller Flucht über einen Baumstamm hinwegsetzenden Pferdes, auf dessen Rücken Mazeppa nackt gefesselt ist, wurde sehr anschaulich wiedergegeben.
Es ist bemerkenswert, dass keine der freigeschnittenen Stellen, etwa die feingliedrig ausgearbeiteten Beine des Tieres, gebrochen sind, obwohl an Gebrauchsspuren (Abflachungen) zu ersehen ist, dass die Brosche häufig getragen wurde.
Länge der vergoldeten Umrahmung: 5,5 cm; Breite: 4,4 cm.
Bei dem auf ein Pferd gebundenen Jüngling handelt es sich um den späteren Kosakenführer Jan (Johann) Mazeppa (russisch: Iwan Stepanowitsch Masepa), der 1652 in Podolien (damals unter polnischer Herrschaft) als Sohn eines Landedelmannes geboren wurde und am 22. September 1710 in Bender ( russisch: Bendery) an Gift gestorben sein soll.
Die Legende berichtet, warum sich Mazeppa den Kosaken anschloss. Er war Page des polnischen Königs Johann Kasimir und erlag der verführerischen Schönheit der Gemahlin des Edelmannes Falibowski, dessen Ländereien an das Gut der Mazeppa angrenzte. Als der Ehemann seine Frau mit dem Jüngling überraschte, ließ er den nackten Liebhaber von Bedienten auf dessen Pferd binden und jagte es in die Wälder. Der edle Hengst fand zwar den Weg nach Hause, Mazeppa kehrte aber aus Scham über die Erniedrigung dem Elternhaus den Rücken und schloss sich den Kosaken in der Ukraine an, wo er sich durch seine geistige Wendigkeit und übergroße Körperstärke auszeichnete.
Außer in Gemälden und graphischen Werken wurde Mazeppa auch literarisch verewigt. Lord Byron widmete ihm eines seiner schönsten Gedichte; P. I. Tschaikowskij schrieb die Oper „Mazeppa“; A. S. Puschkin verwendete die Lebensgeschichte des Kosakenanführers in „Poltawa“ u. s. w.
Historisch belegt ist, dass Mazeppa Adjutant von Hetman Iwan Samoilowitsch war und diesen 1687 ablöste. Mazeppa gewann das Vertrauen des Zaren Peter des Großen und brachte diesen dazu, ihn zum Fürsten der Ukraine zu machen. 1696 eroberte er an der Seite des Zaren die Stadt Asow. In der Folge versuchte Mazeppa, die russische Herrschaft abzuschütteln und für die Ukraine eine Kosakenautonomie unter polnischer Oberherrschaft zu erlangen. Zu dem Zweck nahm er nach dem Frieden zu Altranstädt mit dem Schwedenkönig Karl XII. Verbindung auf und bat ihn um Unterstützung bei seinen Plänen. Der Kosakengeneral Kotschubey und Iskra, der Oberste von Poltawa, setzten Peter den Großen von dem Vorhaben Mazeppas in Kenntnis. Der Zar schenkte ihnen jedoch keinen Glauben und lieferte die vermeintlichen Verräter an Mazeppa aus, der sie hinrichten ließ. Als der Zar seinen Fehler einsah, verfolgte er die Anhänger Mazeppas, erstürmte Baturin, die frühere Residenz des Kosakenführers, und ließ Mazeppa, dessen er in Person nicht habhaft werden konnte, im Bildnis aufhängen.
Preis: nicht vermerkt
|