|
Art. Nr.: 28
Hirtenidyll - Fingerring
Paul Johann Hess (1744-1798)
Eingesetzt in einen Holzrahmen in josephinischem Stil.
Künstler: Paul Johann Hess (1744-1798).
Durch die Gestaltungsweise der in den 1770er Jahren entstandenen Pastoralszene lässt sich unschwer der Stil des Bildhauers Paul Johann Hess erkennen.
Auf der linken Bildhälfte ist ein antiker Säulenbau dargestellt, ein im ausklingenden Rokoko und im Klassizismus beliebtes Motiv. Das Bauwerk ist liebevoll detailreich wiedergegeben. Trotz der Kleinheit des Bildwerkes sind die vielen kleinen Mauersteine des hinter den Säulen befindlichen Gemäuers deutlich zu sehen. Bravourös ausgeführt sind auch die aus drei Segmenten gestalteten Säulen, besonders die in solcher Kleinheit schwierig wiederzugebenden Rundungen der Basisstücke und Säulenkapitelle. Vollendet gestaltet ist weiters das Gebälk mit seinen diversen Profilen.
Ebenso sorgsam ausgeführt sind die dargestellten Personen. Links steht in Richtung Bauwerk eine Frau. Rechts im Hintergrund befindet sich ein Schafhirte mit Peitsche und neben ihm ein Gehilfe, der einen Bottich hält, um ein Lamm zu tränken. Die idyllische Stimmung der Szene wird durch den im Vordergrund entspannt am Boden lagernden Mann noch unterstrichen.
Im Hundertstelmillimeterbereich in Mikrotechnik gestaltet sind vor allem die Zweige der Sträucher und Bäume. Besonders die Ausarbeitung der Baumzweige sagt etwas über die meisterliche Qualität des Mikrobildes aus. Die Zweige haben einen Durchmesser von nur wenigen Hundertstelmillimetern, und auch der Abstand zwischen manchen Zweigen beträgt oft nur zwei bis drei Hundertstelmillimeter (0,02 – 0,03 mm!). Erstaunlich ist dabei, dass dieses unfassbar feine Ast- und Zweigwerk nicht am Bildhintergrund aufliegt und fixiert ist, sondern dass die Bäume und Sträucher frei stehen und bei entsprechender Beleuchtung Schatten auf den Hintergrund werfen.
Typisch ist für den jüngeren der Brüder Hess, dass er durch „Aufstechen“ winziger Elfenbeinspäne einen sehr guten Effekt erzielt. Die Belaubung der Bäume wird noch plastischer, sie wirkt dadurch buschiger und besonders naturgetreu.
Das aufwendig gestaltete kleine Elfenbeinrelief repräsentiert die für solche Kunstwerke im nachklingenden Rokoko geltende Devise: „Je kleiner und feiner, desto wertvoller.“
Der 1744 in Bamberg geborene Bildhauer Paul Johann Hess war bis etwa 1770 mit seinem älteren Bruder Sebastian in Brüssel für den Hof des Prinzen Karl Alexander von Lothringen tätig. Zeitzeugen zufolge wird vor allem der jüngere Hess, also Paul Johann, als ein „Virtuose der Schnitzkunst und als ganz eigenes Genie und Enthusiast für diese Kunst“ bezeichnet, „der gewiss seinesgleichen nicht hat“. Nach dem Aufenthalt in Brüssel ließen sich die Brüder Hess in Wien nieder.
Vor dem Einsetzen des Mikrobildes in die nur 1,8 x 1,5 cm große „Primärfassung“ erfolgte der Auftrag des blauen Pigmentes (zerriebenes Kobaltglas) mittels eines Pinsels als Bildhintergrund. Nachdem die Mikroschnitzerei in diese Zargenfassung aus Silber eingearbeitet war, wurde sie zum Schutz der mikroskopisch feinen Elfenbeinschnitzerei mit Bergkristall verschlossen und als „Kunststück“ verkauft. Der Käufer gab dann einem Goldschmied den Auftrag für eine „Sekundärfassung“, also das Mikrobild zusammen mit der „Primärfassung“ als Ringkopf in einen Fingerring aus Gold (18 Kt.), mit einer Umrandung aus kleinen Diamanten, einzusetzen (Ringmaß: 18,50 mm).
In weiterer Folge wurde das Kleinod, umgeben von schwarzem Samt, eingefügt in einen 12,8 x 12,8 cm großen, schwarz gebeizten Holzrahmen in josephinischem Stil, der mit vergoldeten Rosetten und Stäben in Form eines Zopfmusters verziert ist. Das Schmuckstück kann nun, der ursprünglichen Bestimmung solcher Wunderdinge entsprechend, als Wanddekoration zur Schau gestellt werden.
Da der Kastenrahmen an der Rückseite eine Öffnung hat, kann man den Ring, nach Betätigung eines kleinen Hebels (der die Fixierung löst), herausnehmen und als Schmuckstück tragen. Er kann aber jederzeit wieder in den Rahmen eingesetzt werden.
Preis: nicht vermerkt
|