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Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Malerei
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945
Blumen, Pflanzen

Art. Nr.: 11
BLUMENSTRAUS IN VASE
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ANTON FAISTAUER St. Martin bei Lofer 1887 – 1930 Maishofen

ANTON FAISTAUER
St. Martin bei Lofer 1887 – 1930 Maishofen

11
BLUMENSTRAUSS IN VASE, 1917
Öl auf Leinwand auf Karton, 50 x 40 cm, signiert und datiert rechts oben: A. Faistauer 1917
Provenienz: Villa Primavesi, Wien

„In Wien gibt es gegenwärtig keinen Maler, der schönere Farben auf der Palette hat (…). Es gab auch vor ihm nicht viele“, schrieb der Kritiker der Wiener Arbeiterzeitung, Arthur Roessler, anlässlich der Frühjahrsausstellung der Secession 1918 über Anton Faistauer. Diese Vorzüge lassen sich nirgends leichter als an den Blumenstücken ablesen, denn hier kann der Maler seinem Farbgefühl und der sinnlichen Beziehung zu seinem Material nahezu unbeeinträchtigt von zeichnerischen Problemstellungen frönen. Kein Sujet steht der abstrakten Farbkomposition näher, da Blätter und Blüten quasi schon von sich aus ein lockeres Bündel von Farbflecken darstellen, von dem der Betrachter kaum Aufschluss über botanische Details verlangt. Nie hat Faistauer jedoch seine Blumenstillleben zum ausschließlichen Anlass für ein Feuerwerk von koloristischen Effekten genommen. Vor der Ungehemmtheit, zu der die expressionistische Farbgebung verleitet, ist er schon durch sein an der französischen Kultur der Tonwerte geschultes Auge gefeit; er verfügte über feinere Mittel. Faistauer lässt seine Blumen auch nicht in einer räumlich ungeklärten Umgebung zerflattern und versprühen, nur um die Dynamik der Farbe zu demonstrieren. Trotz einer sehr offenen Malweise verzichtet er nicht darauf, sein Motiv als geschlossene Masse eindeutig im Raum zu fixieren. Man spürt, dass rundherum noch sehr viel Luft ist. Die Aufsicht verleiht diesem raumverdrängenden Aspekt des Straußes besondere Augenscheinlichkeit. Er steht wie ein Monument in einer freien Landschaft, duftig und wuchtig zugleich.
Bei Faistauers Vorliebe für Blumen, die aus dem Dunkel wie Lampions hervor leuchten, überrascht uns das vorliegende Beispiel durch seine für das Entstehungsjahr sehr fortgeschrittene Hoch- und Vollfarbigkeit. Seine Herkunft aus der Sammlung Primavesi zeigt, dass Faistauer bei einer der Wiener Werkstätte nahestehenden Käuferschicht sehr geschätzt wurde. Die weiße (!) Vase mit den merkwürdig abstehenden Henkeln ist zwischen 1915 und 1918 in ähnlicher Schrägsicht, aber von verschiedenen Seiten gesehen, mehrfach für Blumenbilder (u.a. im Leopold-Museum, in der Österreichischen Galerie und im Hotel Sacher) herangezogen worden.

Nikolaus Schaffer
Preis: nicht vermerkt


Band 08
55 56 11 1 2
WIE EINE ... WIE EINE ... BLUMENSTR... STILLLEBE... TROPEA, 1965