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Wienerroither & Kohlbacher GmbH
Kunsthandel - Austrian Fine Art
, A-1010 Wien

Kaufobjekt

Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Malerei
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945
Natur

Art. Nr.: 18
KRYSTALL – STUDIE (II), um 1922
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ERIKA GIOVANNA KLIEN Borgo Valsugana / Trentino 1900 – 1957 New York

ERIKA GIOVANNA KLIEN
Borgo Valsugana / Trentino 1900 – 1957 New York

18
KRYSTALL – STUDIE (II), um 1922
Bleistift und Schwarze Kreide, gewischt, auf Pergamentpapier, 260 x 370 mm
Signiert unten mittig mit Bleistift: ERIKA GIOVANNA KLIEN /
Bezeichnet unten mittig mit Bleistift: KRYSTALL-STUDIE /

Der im Rahmen von Franz Cizeks Abteilung für Ornamentale Formenlehre an der Wiener Kunstgewerbeschule nach dem 1. Weltkrieg lancierte „Wiener Kinetismus“ basiert auf einem dreistufigen Konzept. Danach sollten über die formale Umsetzung sinnlicher Wahrnehmungen, Emotionen und daraus resultierender Denkfiguren Gestaltungsformen entwickelt werden, die den wichtigsten Etappen der europäischen Avantgarde der Vorkriegszeit – Expressionismus, Kubismus, Futurismus – entsprachen.
Dabei spielte das Naturstudium, das auch im offiziellen Studienplan der Kunstgewerbeschule verankert war, keine geringe Rolle. Statt seine Studenten mit der Nachahmung etwa kubistischer Kompositionen zu langweilen, förderte Cizek gezielt die Einübung kubistischen Sehens anhand natürlicher Motive. Kristallformationen eigneten sich für dieses Vorgehen besonders gut. Neben der Gleichzeitigkeit von opaken und transparenten Erscheinungen innerhalb der natürlichen Form trägt auch deren vorgegebene Struktur zur Affinität mit den Merkmalen kubo - futuristischen Gestaltens bei.
Im vorliegenden Blatt scheint die Künstlerin durch die Manipulation natürlicher Formen mit der Herstellung solcher Ähnlichkeiten bewusst gespielt zu haben. Sie kombiniert das an Bergkristallen beobachtete Wechselspiel zwischen Materialität, Durchsichtigkeit und Lichtreflexion mit der in Strahlenbündeln angeordneten, längsgestreiften Form von Antinomit, der kürzlich als Bestandteil der Kristallgruppen nachgewiesen werden konnte.

Marietta Mautner-Markhof


Literatur: Michael Pabst, Erika Giovanna Klien, Kat. Galerie Michael Pabst Wien 1975 Abb. p.5; Marietta Mautner Markhof, Franz Cizek und die „moderne Kunst“ – Ornamentale Formenlehre an der Kunstgewerbeschule in Wien, in: Kat. Franz Cizek, Pionier der Kunsterziehung, Kat. Historisches Museum der Stadt Wien 1985 p.17-19; Marietta Mautner Markhof, Erika Giovanna Klien 1900-1957, Kat. Museum des 20.Jahrhunderts/Museum Moderner Kunst, Wien 1987, p.14-16; Joachim Kaak & Michael Pabst, Erika Giovann Klien, Staatsgalerie Moderner Kunst München 1999 Abb. p.22; Christine Elisabeth Hollerer und Josef Taucher, Überlegungen zum Blatt Krystall-Studie von Erika Giovanna Klien, Graz, e-mail im Juni 2000.
Preis: nicht vermerkt


Band 08
55 56 18 1 2
WIE EINE ... WIE EINE ... KRYSTALL ... STILLLEBE... TROPEA, 1965