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Art. Nr.: 19
BLUMENSTUDIE RITTERSPORN, um 1922
ERIKA GIOVANNA KLIEN Borgo Valsugana / Trentino 1900 – 1957 New York
ERIKA GIOVANNA KLIEN
Borgo Valsugana / Trentino 1900 – 1957 New York
19
BLUMENSTUDIE RITTERSPORN, um 1922
Schwarze Kreide auf Seidenpapier, 241-242 x 290 mm
Signiert rechts unten mit Bleistift: Erika Giovanna Klien/
Bezeichnet links unten mit Bleistift: Blumenstudie/ Rittersporn/
Pflanzenmotive als Übungsobjekt für die Erfassung „kubistischer“ Strukturen der Wirklichkeit bzw. als Einschulung in „kinetisches Sehen“ gehörten an der Abteilung Cizek zwischen 1919 und 1920 zum Arbeitsrepertoire. Dabei spielte eine seit der Jahrhundertwende im reformierten Kunstunterricht an Gymnasien bis hin zur Wiener Kunstgewerbeschule entwickelte Tradition eine Rolle: Sie überließ die schöpferische Auswertung dekorativer und rhythmischer Werte aus eigener Beobachtung den Schülern und Studenten selbst.
Das vorliegende Blatt wurde bereits 1922 in der Kinetismus-Monographie des Dichters L.W. Rochowanski unter dem Titel „Studium der kubischen Existenz der Dinge – Lerchensporn“ publiziert, gehört also zu den frühesten Beispielen dieses bildnerischen Verfahrens an Cizeks Abteilung. Es ist im Vergleich zu den späteren, bereits konzeptueller bzw. abstrakter aufgefassten Pflanzenstudien Kliens und ihrer Kolleginnen Elisabeth Karlinsky oder My Ullmann relativ naturnah. Doch die Hypergenauigkeit, mit der die Umrisse und das Volumen der spitzkegelförmigen Blütenteile gezeichnet sind, ist eine scheinbare: Ob es sich nämlich bei der Pflanze um Lerchensporn handelt, wie Rochowanskis Beschriftung nahe legt, oder um Rittersporn, wie Klien ihr Blatt erst nach dessen Publikation eigenhändig am unteren Blattrand betitelt und signiert hat, ist nicht eindeutig zu klären. Die Stielblätter zeigen eine größere Nähe zu den gewundenen Formen des Lerchensporns, während die Blüten der oberen Dolde gut zur Erscheinung von Rittersporn passen. Die untere Blütendolde dagegen erinnert wieder stärker an den hohlen Lerchensporn. Es ist wahrscheinlich, dass die Künstlerin auch hier, ähnlich wie in der Krystallstudie (s.d.), eingeübte Formanregungen nach verschiedenen Naturmotiven synthetisiert hat um in der Fläche ein Maximum an „kubischen“ Raumbeziehungen herzustellen.
Marietta Mautner-Markhof
Literatur: L.W. Rochowanski: Der Formwille der Zeit in der Angewandten Kunst. Burgverlag. Wien 1922, Abb. S. 24 (Titel: Studium der kubischen Existenz der Dinge, Lerchensporn, (Kreidezeichnung).
Preis: nicht vermerkt
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