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, A-1010 Wien (Anfahrtsplan anzeigen)

Katalog: Band 08

Klassifizierung (Anbieter übergreifend):
Malerei
Moderne Kunst ca. 1890 - 1945
Bergwelt
Landschaft

Art. Nr.: 39
PAESAGGIO ITALIANO II, 1968
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ZORAN MUSIC Görz 1909 geb.

ZORAN MUSIC
Görz 1909 geb.


39
PAESAGGIO ITALIANO II, 1968
Öl auf Leinwand, 36 x 61 cm
Signiert und datiert links unten: Music 68


„Italienische Landschaft“: Berge weiß verkarstet: Das erinnert an die Steinbrüche hinter Triest, an den Schauplatz der Isonzoschlachten, in deren Nähe Zoran Music aufgewachsen ist. Im Gesamtwerk Zoran Musics haben die weißen Felsen die Funktion eines Leitmotivs: sie sind Metapher für sein, das 20. Jahrhundert. Music hatte von Kindheit an die weißen Steine vor Augen: Felsen ohne das, was man Kolorit nennen könnte, trocken, eigentlich recht unmalerisch. Über die durchaus heimatlichen Eindrücke schieben sich in der Zwischenkriegszeit jene der Meseta Altkastiliens und ihrer Aufarbeitung bei El Greco, Velazquez und Goya: die Entdeckung der malerischen Trockenheit. Noch hat Music es mit ästhetischen Kategorien zu tun: 1944 jedoch verwandeln sich die weißen Felsen in Denkmale des ästhetisch nicht mehr Fassbaren. Nach seiner Verhaftung durch die SS und einer entsetzlichen Zwischenstation im Triestiner KZ Risiera di San Saba wird Music ins KZ Dachau deportiert. Im Winter 1944/45 steht er da vor immensen Leichenhaufen, einer Landschaft mit „ihren“ Schluchten und Höhlen; der Schnee hat die Toten in Gebirge verwandelt. Music, Goyas „Desastres de la Guerra“ im Kopf, die an Typhus verstorbenen Kameraden vor Augen, beginnt zu zeichnen. Die Totengebirge werden zu einer Obsession; „Non siamo gli ultimi“, „Wir sind nicht die Letzten“, nennt er die Serien von Zeichnungen, Radierungen und Ölbildern, die er bis in die unmittelbare Gegenwart fortsetzt. Seine scheinbar friedlichen Landschaften aus dem Karst, auch die Sienesischen Impressionen haben seither einen meta-ästhetischen, historisch belegten Kontrapunkt. Es gibt keine „Landschaft“ von Zoran Music, welche man ohne Bezug auf die Erfahrung Dachau betrachten könnte. Dies gilt auch für die Felsen des Bildes „Paesaggio Italiano“. Musics Werk hat sich stets, wenn auch in genauer Kenntnis und Wertschätzung der Entwicklung der Malerei nach 1945, jeder ihrer Strömungen entzogen. Nicht etwa aus Opposition oder Reaktion, sondern weil ihn seine Erfahrung dazu nötigte. Das Bild „Paesaggio Italiano“, sanfte Anspielung auf Leonardos Sfumato, an Grecos Radikalität, an Goyas Trockenheit ist nichtsdestoweniger ein Dokument der Nachtseiten des 20. Jahrhunderts.

Bertram Karl Steiner


Literatur: Kunstsammlung Alpen-Adria (Hg.): Zoran Music. Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen. 1945 – 1945. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft. Klagenfurt 1990.



Band 08
37 38 39 49 50
FRUCHTSCH... WALDWIESE... PAESAGGIO... CANNES, u... BEGEGNUNG...