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Art. Nr.: 43
LINZER DOM, um 1921/22
WILHELM NICOLAUS PRACHENSKY Innsbruck 1898 – 1956 Innsbruck WILHELM NICOLAUS PRACHENSKY
Innsbruck 1898 – 1956 Innsbruck
43
LINZER DOM, um 1921/22
Öl auf Leinwand, 110 x 100 cm
Signiert links unten: Wilhelm Prachensky Innsbruck
In der Zeit um 1920 beschäftigte sich Prachensky – ausgehend von Quellen des Stimmungsimpressionismus und des Jugendstils – intensiv mit dem Expressionismus, namentlich mit Egon Schiele, dessen Krumau-Bilder sich in Komposition und typischer Flächenmodellierung im vorliegenden Bild deutlich spiegeln. Dennoch geht Prachensky einen Schritt weiter als Schiele: Diesem wurde – etwa von Bruno Grimschitz, dem späteren Leiter der Österreichischen Galerie – schon 1918 vorgeworfen, dass er jedwedes Motiv zum Ornament transformiere. Implizit war das auch eine Kritik an der Formverliebtheit des Wiener Jugendstils, dem Schiele ja direkt entwachsen war. Anton Kolig in Kärnten und Wilhelm Nicolaus Prachensky in Tirol, die nur wenige Jahre jünger als Schiele waren, entwickelten den kompakten Stil Schieles bereits weiter zu offeneren und dynamischeren Malweisen – und inhaltlich zu einem direkteren Lebensbezug als die vertrackten Symbolebenen in Schieles Gedankenwelt. Die jungen Maler der ersten Nachkriegszeit wollten sich optimistisch dem Leben stellen, so katastrophal auch dessen Bedingungen zu dieser Zeit waren. Das Linz-Bild Prachenskys zeigt eine direkte Auseinandersetzung mit dieser Lebenswelt, die man künstlerisch und biographisch zu bewältigen hatte.
Matthias Boeckl
Literatur: Matthias Boeckl: Wilhelm Nicolaus Prachensky. Tyrolia Verlag. Innsbruck 1998, Abb. S. 89.
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