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Art. Nr.: 488
Johann Josef Karl Henrici (Schweidnitz/Schlesien 1737 – 1823 Bozen)
Vier Szenen - Gegenstücke - aus dem Serail: Ein Sultan kauft eine junge Frau und überreicht ihr einen goldenen Ring; ein Handwahrsager prophezeit einer Odaliske das Schicksal; Piraten bieten einem Sultan ein von ihnen entführtes Mädchen an, das ohnmächtig wurde, im Hintergrund liegt ein Schiff für die Abreise vor Anker; ein Eunuch bietet der Lieblingsfrau des Sultans vor musizierender Höflingen ein Glas mit Limonade an; Öl auf Leinwand, je 73 x 105,5 cm, originale, geschnitzte Empirerahmen, (Wo)
Gutachten: Dr. Johann Kronbichler, Direktor des Diözesan-museums
St. Pölten, 12. Februar 2007, als eigenhändige Werke von Johann Josef Karl Henrici. Dr. Kronbichler verweist auf die Anführung der vorliegenden Gemälde in der Festschrift Nicolò Rasmo, Bozen 1986, S. 397–408, S. Spada-Pintarelli, “Una nuova serie orientale di Carl Henrici al museo di Bolzano”.
“In Bozen” schreibt Dr. Kronbichler, “wurde das musikalische Singspiel ‘Das Serail’ mit der Musik von Joseph Friebert 1779 im Merkantilpalast aufgeführt und es könnte sein, dass Henrici gerade dadurch zu der vorliegenden und zu ähnlichen Bilder-serien türkischer Motive angeregt wurde. Von Henrici gibt es nämlich mehrer Zyklen von ähnlichen Bildern, zum Beispiel im Stadtmuseum in Bozen. Er war für diese Art von Bildern auch weit über Bozen hinaus bekannt. Henrici greift bereits in den Fresken des Palais Menz in Bozen orientalische Motive auf und auch seine biblischen Szenen, wie beispielsweise die Geschichte des ägyptischen Josephs, sind mit ähnlichen Motiven durchsetzt. Direkt vergleichbar mit der vorliegenden Serie orientalischer Szenen ist ein ebenfalls aus 4 Gemälden bestehender Zyklus im Bozener Stadtmuseum sowie zwei weitere Gemälde mit ähnlichem Sujet, die sich ebenfalls dort befinden. Zwei Turquerie-Bilder Henricis besitzt auch die Akademija za glasbo (Musikakademie) in Laibach. Die exotische und erotische Thematik ist mit einer ganz speziellen und für Henrici-Bilder sehr charakteristischen malerischen Raffinesse vorgetragen. Es ist vor allem die malerische Bravour und der koloristische Geschmack, der in seinen Gemälden so bewundernswert ist.”
Provenienz: seit über 100 Jahren österreichischer Privatbesitz
Nach der Schlacht am Kahlenberg 1683, in der das türkische Belagerungsheer vernichtend geschlagen und Europa von der osmanischen Bedrohung für alle Zeit befreit war, eroberte der Halbmond Wien sowie das Habsburgerreich durch über hundert Jahre in friedlicher Weise, u.a. in der Form des “Kipferls” als Kaffeegebäck. Mozart komponierte in Wien die “Entführung aus dem Serail” und als Coda zu seiner Sonata facile den “türkischen Marsch”.
“Alla turca” wurde auch in der Literatur sowie in der Mode heimisch. Die Damen von Wien bis Paris zeigten sich gern in türkischer Kostümierung. In der Donaumetropole lebt die türkische Erinnerung in Namen wie Türkenschanzpark, Salmannsdorf -verbalhornt nach dem Sultan Soliman - usw. bis heute fort. Selbstverständlich faszinierte die exotische Mode auch die Maler. Francesco Guardi etwa schuf drei Szenen aus einem Serail (Sammlung Thyssen Bornemisza und Schönemann, Lugano).
Karl Henrici wurde 1737 in Schweidnitz im österreichischen Schlesien geboren, nach erstem Unterricht bei seinem Vater wandte er sich nach Prag, Wien, Venedig, Verona und ließ sich schließlich in Bozen nieder, wo er nach fast völliger Erblindung hoch betagt 1823 verstarb. Seine entscheidende künstlerische Prägung erhielt er von Giambettino Cignaroli in Verona. Zu seiner malerischen Raffinesse und Brillanz trugen ebenso der Einfluss von Felice Boscaratti, Sebastiano Ricci, Giambattista Tiepolo sowie von Gian Antonio und Francesco Guardi bei. Bilder des Künstlers befinden sich sowohl in kirchlichem als auch musealem und privatem Besitz, vor allem in Süd- und Nordtirol sowie im Trentino.
Schätzpreis: von € 25.000,00 bis € 35.000,00
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