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Art. Nr.: 470
David Teniers (Antwerpen 1610 – 1690 Brüssel)
Die Bergung des Paris, Wiederholung nach einem verschollenen Gemälde von Giorgione da Castelfranco (Castelfranco 1477/78 – 1510 Venezia), Öl auf Holz, 21 x 35 cm, gerahmt, (Wo)
Gutachten: Willem van de Watering, 30. Mai 1992.
Literatur: Aufgeführt und abgebildet in: J. Smith, Supplement to the Catalogue Raisonné of the Works of the most eminent Dutch, Flemish and French Painters, London 1842, S. 465, Nr. 188 (irrtümlich als “Repose of the Holy Family” und als “pastichio in imitation of the style of Tintoretto”. K. Clark, “Four Giorgionesque Panels”, The Burlington Magazine, Bd. LXXI, Nr. 416, November 1937, S. 205, Abb. Tafel IIIA. (Die Kopie von Teniers damals bereits in der Sammlung Loeser.) T. Pignatti “Giorgione” Complete Edition, London 1971, S.59 und SS. 146–147, bei Nr. C3, Abb. 224 (Abb. der Kopie von Teniers) und 225 (Abb. des Stiches), mit verwechselten Unterschriften. Wolfgang Eller wird das vorliegende Gemälde in seiner demnächst erscheinenden Monographie über Giorgione publizieren.
Provenienz: Versteigerung Viscountess Hampden, London, Christie’s,
19. April 1834, Nr. 74, für 14 Pfund 14 shilling an Norton (Händler) im Katalog beschrieben als “A subject from Ovid, after Giorgione, plate 21 of the Teniers Gallery”;
Sammlung Charles Loeser, Torri Gattaia, Firenze, als Nr.627 in Monte dei Paschi di Siena (rückseitiger Klebezettel); Versteigerung Charles Loeser (Firenze), London, Sotheby’s, 9. Dezember 1959, Nr.42, Abbildung, für 2,600 Pfund an Agnew; Versteigerung “The Property of a gentleman”, London, Sotheby’s, 8. April 1981, Nr. 99, Abbildung; süddeutsche Privatsammlung.
Als die Königin Hekabe mit Paris (Das Urteil des Paris) schwanger war,
prophezeite ihr ein Seher, das Kind werde die Zerstörung Trojas
herbeiführen. Darauf setzte sie den Knaben aus. Dieser wurde von zwei Hirten gerettet.
David Teniers wurde 1651 vom habsburgischen Statthalter der südlichen Niederlande - heute Belgien - Erzherzog Leopold Wilhelm, aus seinem heimatlichen Antwerpen nach Brüssel berufen und zum Hofmaler sowie Verwalter seiner berühmten Gemäldegalerie ernannt. In dieser Tätigkeit war Teniers neben der Produktion von Galeriebildern mit einer zweiten Aufgabe betraut, der Herausgabe des “Theatrum Pictorium” (Abbildung 1). Dieses ist der erste bebilderte Katalog einer Gemäldesammlung überhaupt. David Teniers schuf zu diesem Zweck 244 Kopien nach italienischen Ge-mälden des 16. und 17. Jahrhunderts der Galerie Leopold Wilhelms, die, gestochen als Radierungen in der Publikation “Theatrum Pictorium” 1660 in Brüssel erschienen. 120 dieser Kopien in der Größe der Graphiken befanden sich in der Sammlung des Duke of Marlborough in Schloss Blenheim, England und sind seit der Versteigerung der Kollektion 1886 auf zahlreiche Museen und Sammlungen der ganzen Welt zerstreut. Auch das Kunsthistorische Museum in Wien besitzt acht dieser Werke.
Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Erzherzog Leopold Wilhelm im Alter nach Wien zurückkehrte und seine gesamte Bildersammlung dorthin mitnahm. Sie bildet den Grundstock der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums. Das vorliegende Gemälde gehört gleichfalls zu diesen Kopien von Teniers und bildet - dies macht es besonders kostbar - die Wiederholung nach einem verloren gegangenen Werk von Giorgione. Es ist als Stich von T. van Kessel seitenverkehrt im Theatrum Pictorium reproduziert (Nr. 132). Giorgione hat das heute verschollene Original verblüffend ähnlich wie sein berühmtes Werk “La Tempesta” (heute in der Galleria dell’Accademia in Venedig), jedoch seitenverkehrt komponiert (siehe Abbildung 2). Ein 91 x 63 cm großes, früher als eigenhändig von Giorgione geführtes Gemälde, darstellend alleine die beiden Hirten rechts im Bild, befindet sich im Museum der Schönen Künste in Budapest (Abbildung 3).
Schätzpreis: von € 50.000,00 bis € 70.000,00
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