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Art. Nr.: 142
GRILLPAZER, Franz 1791 – 1872
1848 - Eigenhändiges Gedicht 1849 mit Unterschrift
2 Seiten, 1 Blatt, 56 Zeilen, gr–4°
27,6 x 21,9 cm
Ein Jahr hat unser Weihnachtsfest geruht,
Kein Christbaum konnte hier, wie heute, stehen;
Ein Jahr von Noth, von Jamer, ja von Blut,
Wie ihr gehört und selbst zum Theil gesehen.
Ein Sturmwind gieng durch alle Länder wild,
Auf alles was da recht und fest erbittert,
Selbst unsre Stadt, sonst heitrer Güte Bild,
Sah sich in ihrem alten Werth erschüttert.
Das macht: nicht ihr seyd Kinder nur allein,
Auch alle Menschen sie sind Gottes Kinder,
Und wie man euch ermahnt, die ihr noch klein,
So mahnt er jene Älteren nicht minder.
Er hat in jedes Menschen Brust gesenkt
Die Warnerstimen, die das Rechte künden,
Und was der Mensch ersinnt und klügelnd denkt
Kann sie ersetzen nicht und nicht ergründen.
Das Recht es ist; das Gute will was gut;
Die Liebe lebt in jedes Menschen Herzen;
Den Dank erzeugt des Wohlthuns edler Mut;
Das Mitleid fühlt, gleich eignen, fremde Schmerzen.
Solang der Mensch nun aufhorcht from und still
Auf jene Stimen, die im Innern mahnen,
Und was er gläubig hört, vertrauend will,
Geht er einher auf Gottes lichten Bahnen.
Doch wird er stolz und lärmt und spricht und schreibt,
Hört nicht mehr auf die leisen Gottes – Stimen,
Dann schweigen sie, vom Lärmen übertäubt,
Und machen Platz dem Schlechten und dem Schlimen.
So war‘s mit uns im jüngstverfloßnen Jahr,
Wo unser Heil in wilden Wahnsinns Händen,
Wo jedem nur der eigne Dünkel wahr,
Gleichlaut in allen Schichten, allen Ständen.
Ein einz‘ger Stand fiel nicht vom Rechten ab,
Ward nicht an sich und Andern zum Verräther;
Es war der Stand, der euch das Leben gab,
Der Stand, Soldatenkinder! Eurer Väter.
Es war das Heer, die Einzigen die fest,
Als Volk und Staat im Taumel fast vernichtet,
Weil sie verließen nicht, was nicht verläßt,
Die Gottes – Stime, die im Herzen richtet.
Weil Ehrfurcht und Gehorsam und die Pflicht,
Vertrauen in die Einsicht der Bewährten,
Erstorben noch in ihrem Busen nicht,
Allmächtig durch die Eintracht der Gefährten.
So schritten sie auf rauen Bahnen fort,
Ihr Ohr verschloßen sie dem Schmeichel – Wahne,
Sie hörten nur der Führer ernstes Wort
und sahen nur die unbefleckte Fahne.
Was halb unmöglich schien, ward so zur That,
Der Treue war‘s, der Tapferkeit beschieden,
Sie holten aus dem Aufruhr, dem Verath
Die Ordnung uns zurück zusamt dem Frieden.
Drum freut euch nur: von Wackern stamt ihr ab,
Bestimt vielleicht die gleiche Bahn zu treten.
Genießt für heut was euch die Milde gab
Und Morgen laßt uns für die Sieger beten.
Grillparzer
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