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Bernsteinmuseum und Galerie in Vilnius, Litauen

Mag. Dr. Waltraud Winkler

Litauen, eines der drei baltischen Länder neben Estland und dem anschließenden Lettland, reiht sich südlich an seine zwei Nachbarn an. Die drei Länder sind mit der so genannten Via Baltica verbunden, eine Straße, die von Tallinn (Estland), über Riga (Lettland) und Kaunas (Litauen) führt und einmal bis nach Warschau weiterführen soll.

Die Küste Litauens ist besonders bekannt wegen der Kurischen Nehrung bzw. dem Kurischen Haff, wo schon lange nach Bernstein gesucht wurde. Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Landzunge unweit der Küste, ca. die Hälfte davon gehört zu Litauen, die andere Hälfte zu Russland, wo die Landzunge in der Nähe von Kaliningrad (Königsberg) ihren Ausgang hat. Die Nehrung ist heute ein Naturschutzgebiet mit weit ausgedehnten Wäldern, es zieht sich aber auch ein Dünenband entlang, u.a. befindet sich dort die mit 60 Metern Höhe die höchste Wanderdüne Europas.

Der an den Küsten der Nord- und Ostsee und in der Erde gefundene Baltische Bernstein ist namentlich eng verknüpft mit dem Baltikum bzw. dem Baltischen Meer. Meist denkt man bei der Bezeichnung "Bernstein" ohnehin schon automatisch an die Nord- und Ostsee und die dort auch an den Stränden auffindbaren Bernsteinstücke. Jedoch gibt es bekannte Bernsteinfundstellen auf der ganzen Welt, wobei die Alter und die Erzeugerpflanzen der Bernsteine stark variieren. Nicht zu vergessen ein österreichisches Vorkommen, deren Bernsteinfunde zu den ältesten der Welt zählen. Die Bezeichnung "Baltischer Bernstein" ist jedoch den Vorkommen an der Nord- und Ostsee vorbehalten.

Einen sehr guten Überblick über die Welt der Baltischen Bernsteine kann man sich im Bernsteinmuseum von Vilnius verschaffen, wozu im Juli 2006 Gelegenheit war. Das Museum ist in einem schön restaurierten Kellergewölbe eines Altstadthauses untergebracht, das sich in der St. Mykolo Strasse befindet. Es steht in Zusammenhang mit dem Bernsteinmuseum in Nida (=Nidden), einem Ort auf der Kurischen Nehrung. Im Anschluss an das Museum stellen litauischen Künstler ihre Bernsteinkreationen (Ringe, kleine Dekorationsobjekte, Ketten, Kunstobjekte, Broschen) in der Galerie aus.

Beim Betreten des Museums ist man vorerst beeindruckt von der Vielzahl der Ausstellungsstücke, die zuerst einmal einen Eindruck von der Vielfalt der Farben des Baltischen Bernsteins geben. Die Farben können von weiß, über hellgelb, bläulich, gelb, bräunlich, rötlich bis rotbraun reichen.

Er kann klar durchsichtig, aber auch trüb sein. Kleinste Luftbläschen können zu undurchsichtigen Stücken führen (Abb. 1). Weiters wird auch auf die Naturformen des Baltischen Bernsteins eingegangen. Je nach Entstehungsort des Harzes im Erzeugerbaum sieht das resultierende Bernsteinstück anders aus. Entsteht das Harz im Inneren des Stammes bzw. unter der Borke, ist es meist trüb und enthält es keine Einschlüsse. Tritt das Harz aber über die Borke aus, können sich Bernsteintropfen, Bernsteinstalaktiten (nadel- und zapfenförmige Bernsteine), aber auch Bernstein-Schlauben (aus mehreren Lagen aufgebaute Bernsteine) bilden.

 


Abb. 1:
Darstellung der Formen- und Farbenvielfalt
des Baltischen Bernsteins

 
Abb. 2:
Bernsteinstück mit Kratzspuren
eines Gletschers ("Gletscherschliff")


Wie Abb. 2 zeigt, können Bernsteine aber auch durch ihre Ablagerung und ihren Transport besondere Geschichten erzählen. Dieses Stück hat offensichtlich mit Eis Kontakt gehabt, das an der Oberfläche Kratzspuren hinterlassen hat.

Neben der Verwendung des Baltischen Bernsteins für Schmuckzwecke, wo die Farbe und Verarbeitbarkeit eine wesentliche Rolle spielt, ist besonders die Welt der Einschlüsse (oder auch Inklusen) interessant. Als Einschlüsse werden in das Harz eingebettete tierische und pflanzliche Überreste aus längst vergangener Zeit bezeichnet.

Nachdem das fossile Harz rund 50 Millionen Jahre alt ist, sind die Einschlüsse also auch Zeugen aus dieser Zeit. Typische Einschlüsse sind verschiedenste Insekten und Spinnen, es ist aber auch ein kleines Schneckenhaus zu sehen. Einschlüsse generell sind immer eine Möglichkeit, die damaligen Lebens- und Klimabedingungen, aber auch die Lebensgemeinschaften zwischen Pflanzen und Tieren in den Bernsteinwäldern zu rekonstruieren. Wenn Harz aus den Bäumen austritt und an den Stämmen hinuntertropft oder –läuft kann das eine Falle für Tiere sein, oder Blätter und sonstige Pflanzenteile können sich in der klebrigen Masse fangen (Abb. 3).


Abb. 3:
Entstehung von Einschlüssen und Präsentation von ausgewählten Beispielen mittels Lupen.

Archäologische Bernsteinfunde liefern Zeugnis über die Beliebtheit dieses Materials schon vor einigen tausend Jahren ab. Einer der Funde wurde am Kurischen Haff in der Nähe von Schwarzort (= Juodkrantė) gemacht, der mit insgesamt 434 Stück Bernsteinperlen, –scheiben, Mensch- und Tierfiguren, Amuletten und Perlen zu den umfangreichsten zählt.
Die Stücke stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 3. Jahrtausend vor Christus) und stellten Grabbeigaben dar, die vermutlich kultische Bedeutung hatten.
Der Fund wurde von R. Klebs 1882 dokumentiert und beschrieben. Im Museum in Vilnius sind Rekonstruktionen der Originale ausgestellt.


Abb. 4:
Schwarzorter Schatz, Rekonstruktionen der Originale
Bernsteinperlen, Bernsteinscheiben, Mensch- und Tierfiguren Amulette, Perlen.

 
Abb. 5:
Detail aus dem Schwarzorter Schatz,
Rekonstruktion.

Alle Fotos: Mag. Dr. W. Winkler, privat

Nach dem Museumsrundgang kann man sich dann in der anschließenden Galerie von den zeitgenössischen Kunstwerken beeindrucken lassen bzw. auch im Geschäft der Kauflust nach Bernsteinschmuck nachgeben. Außerhalb des Museums in der Altstadt ist die Dichte der Bernsteingeschäfte beachtlich. Fast an jeder Straßenecke befindet sich ein Bernsteingeschäft, großteils mit Bernsteinschmuck, aber auch teilweise spezialisiert auf Inklusenstücke oder Designerschmuck. Man kann sich also dem Bann des Bernsteins - im positiven Sinne - nicht entziehen und es wird kaum jemand ohne ein schönes Schmuckstück aus dem Baltischen Raum nach Hause fahren.


Literatur:
Weitschat, W. und K. Mizgiris: Virginija & Kazimieras Mizgiris. Mysterious Amber World/Geheimnisvolle Bernsteinwelt. S. Jokužys Publishing-Printing House, Klaipeda, n.d.

 

 




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