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Der blaue Diamant…,

Gemmologen und Sachverständige müssen auch Edelsteingeschichte verstehen. Wir hatten uns vor Kurzem mit dem „FLORENTINER“, dem Stein der Habsburger befasst, nun beschäftigt sich ein treues Ö.Gem.G.- Mitglied aus Deutschland, Herr Fritz A. Pfaffl (Consulting Geologe und Präsident des Dachverbandes der Naturwissenschaftlicher Vereinigungen Deutschlands), mit zwei bedeutenden historischen Diamanten, nämlich mit dem „Grünen Dresdner“ und dem „Blauen Wittelsbacher“. Der „Grüne Dresdner“ wurde in unserer letzten GEM-Nachricht bereits beschrieben. Nun folgt der zweite Diamant der "Wittelsbacher".

"Der Wittelsbacher"

Berühmte Diamanten haben ihre eigene Geschichte, die oft mit den Geschicken der europäischen Hocharistokratie verbunden ist. Den Aufstieg und Abstieg des Hauses Wittelsbach begleitete ein Diamant von ungewöhnlich blauer Farbe, Größe und Reinheit.

Im Gegensatz zum „Grünen Dresdner“, der 1995 aus den Tresorräumen des Moskauer Finanzministerium, wohin er nach Kriegsende 1945 als Kriegsbeute gelangt war, in die sächsische Schatzkammer „Grünes Gewölbe“ in Dresden zurückkehrte, wurde der berühmte Münchner Edelstein "Der Wittelsbacher" 1951 im Zuge eines Notverkaufs durch den Wittelsbacher Ausgleichsfond in private Hände außerhalb Bayerns gegeben.

Einige Jahre später bot ihn die Schweizer Juwelierfirma Gübelin zum Rückkauf für 2 Millionen Schweizer Franken dem Bayerischen Staat an – doch ohne Erfolg.

Es gibt nur wenige blaue Diamanten…

Blaugefärbte Diamanten wurden bisher sehr selten gefunden. Es gibt deshalb davon nur sehr wenige wirkliche Solitäre, deren Anzahl man an den Fingern einer Hand abzählen kann.

Die Frage nach dem Rang , betreffend das Gewicht (Carat) des Wittelsbacher Diamanten (35,32 Carat) heute in der Weltrangliste, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten. 1984 wurde in Genf ein birnenförmiger blauer Diamant von dem Londoner Auktionshaus Christie´s für 13,25 Millionen DM versteigert.

Dieser 42,92 karätige Stein war im Katalog als der drittgrößte blaue Diamant der Welt bezeichnet worden. Der größte blaue Diamant, der 44,5 karätige Hope-Diamant, der angeblich seinem Besitzer nur Unglück bringt, wird als der bestbekannte Edelstein der Welt bezeichnet. Seit 1959 befindet er sich in der Ausstellung des Smithsonian Institut am Naturhistorischen Museum von Washington D.C.

Der Hope-Diamant soll den amtlichen Angaben nach aus Indien stammen.

Ein weiterer blauer Diamant, der 31 karätige „Eugenie Blue Diamond“, der aus Südafrika stammen soll, befindet sich ebenfalls im Washingtoner Museum.

Mit Sicherheit steht fest, dass der „Grüne Dresdner“ mit 41 Carat der weltgrößte grüne Diamant ist und sich noch auf deutschem Boden befindet.

Die Vermutung des Autors K. de Smet (1963), dass der blaue Wittelsbacher-Diamant Teil eines ursprünglich größeren Rohdiamanten aus Indien ist, dessen übrige größere Teile zu weiteren berühmten Diamanten (Hope-Diamant?) verschliffen wurden, kann historisch nicht belegt werden.

Manche berühmte Edelsteine wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte gewichtsmindernd umgeschliffen. Heute weist der Brillantschliff 57 Flächen auf.

Aus Indien kamen die ersten Diamanten nach Europa.

Aus Ostindien stammen die ältestbekannten, die schönsten und zugleich berühmtesten Diamanten. Die zahlreichen Fundorte sind weit verteilt, liegen aber hauptsächlich auf der Ostseite von Dekkhan (südlicher Teil Vorderindiens, ein zur Westküste flach abfallendes Hochland), die südlichsten im Flussgebiet des Panar, dann dem Ostrande des Dekkhan folgend nach Norden über die Flüsse Kistnah, Godavery und Mahanady bis zum südlichsten Stromgebiet des unteren Ganges in Bengalen.

Die Diamanten kamen teils in anstehenden festen Sandsteinen und Konglomeraten, teils in deren lockeren Verwitterungsprodukten, teils in deren lockeren Verwitterungsprodukten, teils auch im Geschiebe der Flüsse vor, hier im zähen, roten Schlamm gemeinsam mit Sand und Kieselsteinen.

Am unteren Kistnah-Fluss waren die ältesten und berühmtesten Gruben von Golconda. Die alte Bergfeste Golconda bei Hyderabad war nur der Sammelplatz für die in der Umgebung gefundenen Diamanten. Im Jahre 1665 bereiste der französische Kaufmann und Juwelier Jean Baptist Tavernier (1605-1689) Indien und berichtete, dass über 20 Diamantgruben im Abbau standen. Die reichsten östlich von Golconda waren die von Kollur am rechten Ufer des Kistnah. Wahrscheinlich stammen nach Tavernier (Voyages en Turquie, en Perse et aux Indes, 3 Bände, Paris 1676, übersetzt von J.H. wiederholt ins Deutsche, Genf 1681) die berühmten Diamanten „Großmogul“, „Koh-i-noor“ und auch der „Blaue-Hope-Diamant“ aus diesen beschriebenen indischen Landesteilen.

Auch der „Blaue Wittelsbacher“ soll aus Indien stammen und über Portugal nach Spanien gelangt sein. Die Edelsteinkunde (Gemmologie) hat schon vor vielen Jahren den Ursachen der herrlichen Farben bei den Edelsteinen nachgespürt und dabei herausgefunden, dass die meisten Farben auf einer so genannten „Fremdfärbung“ (allochromatische Färbung) oft in Verbindung mit einem Farbzentrum (Lücke im Kristallgitter) beruhen.

Winzige Spuren eines fremden chemischen Elements bringen in den an sich farblosen Mineralien die betörenden Farben zustande. Die Blaufärbung bei Diamanten soll durch Bor hervorgerufen werden.

Nach Chudoba & Gübelin (1974) besitzen blaue Diamanten eine Dichte von 3,52 und eine Lichtbrechung von 2,147.

1727 wurden in Brasilien (Provinzen Minas Gerais und Bahia) erstmals Diamanten gefunden. 1867 wird aus Südafrika der erste Fund eines 21ct. schweren Steines gemeldet. 1908 fand man im Dünengebiet südlich von Lüderitzbucht im ehemaligen Deutsch- Südwestafrika erstmals Diamanten.

Als Heiratsgut von Madrid nach Wien und München…

Die Herkunft des „Blauen Wittelsbacher“ verliert sich im Dunkel der Geschichte. Im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 wurden die Archive in Madrid vernichtet, die vielleicht Auskunft hätten geben können, wo der Diamant einst gefunden wurde und auf welch oft abenteuerlichen Wegen er nach Spanien oder Portugal in den dortigen Kronschatz gelangte. Vor ca. 300 Jahren taucht der Diamant zum ersten Mal in der Geschichte der europäischen Hocharistokratie auf. Bei der Hochzeit von Kaiser Leopold I. von Österreich mit der Infantin von Margaretha Theresa von Spanien wird der Edelstein erstmals erwähnt – als Heiratsgut aus Spanien! Und dann wieder im Jahre 1722 als der bayerische Kurfürst Max Emanuel (1662-1726) seinen Sohn Karl Albrecht, den späteren deutschen Kaiser Karl VII. Albrecht (ab 1742) im Oktober 1722 mit Maria Amalie (gestorben 1756), einer Tochter des Kaisers Joseph I. von Österreich verheiratete.

Im Brautschatz, den die Habsburger Erzherzogin mit nach München brachte, befand sich auch ein blauer Diamant »…von so ausnehmender Schenne, Rein und Farb, dass keiner dergleichen zufünden ist…«, wie in der Inventarliste 1774 der kurfürstlichen Schatzkammer in München zu lesen ist (Thoma 1958). Nun in München zierte er zuerst den Brautschmuck der jungen Kurfürstin, später ab 1742 die Kaiserkrone Maria Amalias. Ihr Sohn Kurfürst Max III. Joseph (1727.1777) ließ den Stein in den Orden vom Goldenen Vlies fassen. Das Ordenskleinod nennt man "Toison", die Anhängeglieder "Coulant". Dieser Orden wurde von Herzog Philipp dem Guten von Burgund am 10.Januar 1430, dem Tage seiner Hochzeit mit Isabella von Portugal gegründet. Die Ordenssouveränität ging durch Heirat an die Österreichischen Kaiser Maximilian I., Kaiser Karl V. und schließlich an Kaiser Leopold I. über. Die Embleme des Ordens sind das goldene Widderfell der Jason-Sage, Feuerstein und Feuereisen mit der Devise „Er trifft bevor der Funke sprüht“. Schon 1774 wird der „Blaue Wittelsbacher“ wie man den Diamant nennen wird, mit 300.000 bayerischen Gulden bewertet.

Im Orden vom Goldenen Vlies oder in der Königskrone…

1806 wurde Bayern als Königreich proklamiert. Bei besonderen Festlichkeiten wurde der blaue Diamant in den Gipfelglobus der bayerischen Königskrone gesetzt.

Den Edelstein allein bewertete man höher als alle Kroninsignien zusammen. Als einziger blauer Stein in der Krone war er hervorgehoben. Dem Charakter eines Leitsteines, die Landesfarben Weiß-Blau zusammen mit den umgebenden weißen Diamanten zeigend, kommt ihm zu. Der Leitstein ist der nach vorne gerichtete, hervorgehobene und singuläre Stein einer Krone, dem man besondere Fähigkeiten zuschrieb (Ottomeyer 1979).

Lange galt dieser wertvollste Edelstein der bayerischen Schatzkammer als ein Palladium des Hauses Wittelsbach bis 1918, indem als Folge der November-Revolution nach dem verlorenen Weltkrieg die Wittelsbacher nach 738 Jahren Regierungszeit abdankten.

Im Jahre 1923 wurden die Besitztümer des Hauses Wittelsbach im Auftrag der jungen Republik Bayern unter die Verwaltung eines Ausgleichsfonds (Wittelsbacher Ausgleichsfond) gestellt. Dabei wurde den Mitgliedern des Hauses ein Schadenersatz geleistet, der sich jedoch bei dem Milliardentanz der Inflation als völlig wertlos erwies. Da die damalige Gesetzgebung eine Realisierung von Grundbesitz nicht erlaubte, blieben die Nachkommen des Königshauses verarmt zurück. Mit Rücksicht auf die peinliche Finanzlage, in der sich das Haus Wittelsbach nach der Wirtschaftskrise befand, gab der Staat im Jahre 1931 die Zustimmung, einzelne Stücke aus der Schatzkammer zu verkaufen, um den Wittelsbachern aus der Not zu helfen (de Smet 1963).

1931 wurde der seltene blaue Diamant aus der Königskrone auf einer Auktion bei Christie´s in London zur Versteigerung gebracht. Er wurde aber nicht verkauft, da das Gebot mit 5600 engl. Pfund zu niedrig war. Wer hatte damals in der Notzeit Geld für einen Brillanten!

Der „Blaue Wittelsbacher“ kam nicht mehr an seinen angestammten Platz im Orden Toison zurück. Die Wittelsbacher ließen dafür ein blausamtenes Etui anfertigen, das mit weißer Seide ausgeschlagen war und auf der Innenseite des Deckels einen Goldaufdruck mit einer kleinen Krone und den Buchstaben „W“ zeigte.

1933 wurde an der Stelle des Diamanten in der Ordensgarnitur von der Firma Weißhaupt & Rath ein blauer Glasfluss eingesetzt und in den Gipfelglobus der Krone ein herrlicher Saphir gefasst.

Diese Umstände lassen vermuten, dass das Haus Wittelsbach ab 1933, als durch die Zentralmacht des Dritten Reiches der Freistaat Bayern ausgelöscht wurde, den kostbaren Edelstein wieder als Privateigentum betrachtete.

Man ließ in der Folgezeit Gerüchte über Verkäufe verbreiten, um die Spur für die damaligen Kunstsammler und Kunsträuber zu verwischen.

1951, in den Notjahren der Nachkriegszeit, wurde der blaue „Wittelsbacher“ vom Ausgleichsfonds erneut zum Verkauf angeboten. In Belgien kaufte ihn der Antwerpener Diamantenmagnat Romi Goldmuntz. Seine Erben wussten jedoch nicht, welchen historischen Schatz sie in Händen hielten, als sie den Diamanten Anfang November 1961 dem Antwerpener Rohdiamantenhändler J. Komkomer anboten. Komkomer kannte den Stein und ließ ihn durch ein Konsortium kaufen. Als die Verkäufer später erfuhren, dass sie den „Wittelsbacher“ gehabt hatten, boten sie für einen Rückkauf sofort einen Gewinn von 50 000 US-Dollar. Der Juwelier Komkomer wollte nun den Edelstein noch gewinnbringender veräußern, dessen Wert der amerikanische Juwelier Harry Winston auf 2,4 Millionen DM schätzte (Biehn 1965).

1963 wurde der Diamant von der Firma Gübelin auf den Luzerner Festwochen ausgestellt, die ihn im Auftrag für 2 Millionen Franken hätten verkaufen sollen.

Auch der bayerischen Regierung in München wurde der Diamant zum Rückkauf angeboten, doch ohne Erfolg. Der historische Edelstein kam wieder zu seinem Besitzer zurück, der ihn dann mit Erfolg durch ein anderes Auktionshaus versteigern ließ.

Erwerber war der Juwelier Wilm in Hamburg, der ihn 1964 für einen ungenannt gebliebenen Privatkunden erstand. Soweit Juwelier Renatus Wilm heute unterrichtet ist, befindet sich der Stein nach wie vor im Besitz der Ehefrau dieses Kunden (Krupp?), und es besteht gegenwärtig keine Absicht, den wertvollen Diamanten zu verkaufen.

Auktionäre und Vermittler durften keine Angaben über Verkaufserlöse und Käufer machen, so will es das „gentleman agreement“, das in diesen Branchen üblich ist.

Juwelier Wilm beschreibt den „Wittelsbacher“ wie folgt: „Die Farbe ist einer dunklen Aquamarinfarbe ähnlich und in diesem Farbton für einen Diamanten äußerst ungewöhnlich. Die Schliffausführung ist sehr gut, allerdings handelt es sich um einen Schliff mit einer relativ großen Kalette.“ Es handelt sich also um einen „Barockbrillanten“ mit einem Altschliff in der Hochform eines vorherrschenden Rhombendodekaeders.

Zum Bild rechts: Kleinod zum „ORDEN VOM GOLDENEN VLIES" Anstelle des blauen Saphirs, befand sich ursprünglich der blaue Diamant namens „BLAUER WITTELBACHER" im Ordenmittelteil. Das Strahlenbündel zeigt in der Mitte einen „ROSA DIAMANTEN".

Text: Fritz A. Pfaff

 







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