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GG (Graduate Gemologist) und FGA (Fellow of the Gemmological Association of Great Britain) Mitglied im Landesverband Hamburg im Bundesverband der öffentlich bestellten und vereidigten sowie qualifizierten Sachverständigen e.V.


zu diesem Thema siehe auch > hier (Forum)

GIH - Kurier 91 - Schmuck aus der Türkei

Im letzten Jahr hatte ich bereits eine Warnung vor Schmuckkäufen in der Türkei geschrieben, die auf meiner Homepage (www.strack-gih.de) einzusehen ist.

In gedruckter Form lag die Warnung in meinem Vorraum aus, und wurde dort allerdings von den meisten Geschädigten zu spät gelesen. Die große Zahl an Touristen, die in der Türkei viel zu hohe Beträge für Schmuck bezahlen, hatte mich dazu bewogen, die Warnung zu schreiben. Die bezahlten Beträge betrugen oft das doppelte und dreifach der Preise, die in Deutschland bei einem guten Juwelier in etwa zu bezahlen gewesen wären.


Ich erklärte mich daher gerne dazu bereit, zusammen mit dem Journalisten Jörg Hilpert für den NDR vor Ort zu sehen, wie die Verkäufe ablaufen. Über das Ergebnis der Reise in die Türkei wurde im Verbrauchermagazin Plus Minus am 3.Mai 2005 berichtet. Die Sendung wurde in den Wochen danach auf mehreren dritten Programmen gesendet und hat ein großes Echo hervorgerufen. Die Wirklichkeit überstieg nämlich die schlimmsten Vorstellungen.

Ich hatte bis zu dieser Reise bereits unzählige Berichte gehört, aber nicht erwartet, dass das Verhalten der Verkäufer geradezu bilderbuchhaft den Erzählungen entsprechen würde.

Seit ungefähr zehn Jahren erlebt die Tourismusindustrie in der Türkei einen Boom, und Pauschalreisen werden „all inclusive“ zu immer günstigeren Preisen angeboten. Zum Besichtigungsprogramm gehört unweigerlich auch einer der üppig ausgestatteten Juwelierläden, in denen es beeindruckend glänzt u. glitzert (s.Abb. oben).

Die Verkaufstaktik beginnt mit überwältigender Freundlichkeit. Wir wurden mit Komplimenten umgarnt und innerhalb von zehn Minuten, nachdem wir Interesse bekundet hatten, dazu gedrängt, ein Collier im Wert von € 19.000 zu kaufen. Innerhalb von weiteren fünf Minuten war der Preis bereits bei € 11.000 gelandet. Der tatsächliche Preis des Colliers, das mit vielen kleinen weißen und braunen Diaman-ten ausgefasst war, lag mit Sicherheit nicht im Bereich von € 60.000, so wie es dargestellt wurde, sondern vielleicht im Bereich der Hälfte des zuletzt geforderten Preises.

Während wir kurz miteinander redeten, bei den Verkäufern also der Eindruck entstehen musste, dass wir zögerlich sind, stellte von rechts her eine Hand zwei Gläser mit Orangensaft auf den Tisch. Wir waren vorher nicht gefragt worden, ob wir neben dem zunächst angebotenen Apfeltee noch etwas trinken wollten. Und das mit gutem Grund: der Orangensaft enthielt hochprozentigen Alkohol. Es war zu diesem Zeitpunkt etwa 11.30 Uhr am Vormittag.

Die Aufdringlichkeit setzte sich in den drei weiteren Läden, die wir aufsuchten, fort. In jedem dieser Läden wurden stark überhöhte Preise gefordert, die teilweise das Dreifache des Preises in Deutschland betrugen. Viele deutsche Käufer haben es anscheinend schwer, sich zur Wehr zu setzen. Sie unterschreiben oft, ohne dass sie es wirklich wollen, einen Wechsel in Höhe von einigen tausend bis manchmal einigen zehntausend Euro und realisieren erst auf dem Rückflug, was sie getan haben.

Die Käufer, nicht selten ältere Ehepaare, verfügen oft nicht über die erforderlichen Summen und führen keinen Lebensstil, der den Schmuck wirkungsvoll zur Geltung kommen lassen könnte. Darüberhinaus handelt es sich ausnahmslos um Standardschmuck, der keinen auch noch so niedrig angesetzten stilistischen Anspruch erfüllt. Viele Käufer berichteten mir, dass sie es
nicht wagten, nein zu sagen, weil sie der „Zuckerbrot & Peitsche“ – Taktik nicht gewachsen waren. Die übermäßige Freundlichkeit der Verkäufer schlägt nämlich in Sekundenschnelle in einen drohenden Befehlston um. Wir konnten dies selbst beobachten und waren jeweils heilfroh, die Läden (und das Land) wieder unbeschadet verlassen zu können.

Den Geschädigten ist auf jeden Fall zu raten, sich nach Erstellung eines Gutachtens mit der türkischen Firma von Deutschland aus in Verbindung zu setzen, um eine Regelung zu finden. Viele Firmen scheinen genau zu wissen, dass sie sich sittenwidrig verhalten und sind zu einem Kompromiss bereit, der zumindest den finanziellen Verlust der deutschen Käufer abmindert. Es gibt darüber hinaus bereits türkischsprachige Rechtsanwälte in Deutschland, die helfen können.




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